Geschichte spielt sich stets in den Dimensionen Raum und Zeit ab. Topografische und thematische Karten sind daher wichtige Hilfsmittel für jede historisch interessierte Person. Topographische Karten bilden dabei die Erdoberfläche sowie deren natürliche und künstliche Bedeckung ab (klassische Landkarten). Thematische Karten enthalten vorwiegend Themen nicht topographischer Art, welche jedoch einen Raumbezug aufweisen (z.B. Grundstückskataster, Adressen).
In den letzten Jahren hat die Digitalisierung auch Einzug in die Kartografie genommen. Mit Hilfe von Geoinformationssystemen (GIS) und den darin eingebundenen Geodaten werden digitale Karten produziert und dargestellt. Geodaten sind vereinfacht gesagt Daten mit Raumbezug. Sie können entweder als Vektor– (Punkt, Linie oder Fläche) oder Rasterdatensatz (z.B. Luftbild) erfasst und visualisiert werden. Ein großer Nutzen von Geodaten liegt darin, dass sie die Beantwortung ortsbezogener Fragestellungen ermöglichen. Denn an ein Geoobjekt (z.B. Punkt) können diverse Sachinformationen bzw. Attribute (z.B. Adresse) hinzugefügt werden.
Im Intranet werden Geoinformationssysteme oftmals kostenlos als sogenannte Geodatenviewer zur Verfügung gestellt. Das wahrscheinlich bekannteste GIS ist Google Maps. In einem GIS können verschiedenste Themen ein- und ausgeschaltet werden, es kann nach Begriffen gesucht werden, die als Karten dargestellten Informationen können oftmals heruntergeladen oder gedruckt werden, auf einzelne Features können Info-Abfragen gemacht werden und es werden meist auch zusätzliche Funktionen (z.B. Strecke messen) angeboten.
Offene Geodaten aus der österreichischen Verwaltung
In der öffentlichen Verwaltung wurde GIS bereits in den 1970er Jahren eingesetzt. Die Stadt Wien entwickelte bereits 1979 das Räumliche Bezugssystem (RBW) und verfügte 1984 bereits über eine Digitale Mehrzweckkarte (MZK).[1] Mit der Verabschiedung der INSPIRE-Richtlinie (Infrastructure for Spatial Information in Europe) begann 2007 der Aufbau von harmonisierten Geodateninfrastrukturen (GDI) in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Ziel ist ein allgemein zugängliches System von qualitativ hochwertigen Geodaten und Geodatendiensten.
Geoinformationssysteme der einzelnen Bundesländer
Geoland ist das Geodatenportal der österreichischen Länder. Darüber kann kostenlos und zentral auf die öffentlichen Geodatenbestände der Bundesländer zugegriffen werden. Die österreichweite Verwaltungsgrundkarte heißt Basemap. Jedes Geoportal besteht dabei aus verschiedenen Landkarten (aktuell oder historisch), diversen thematischen Karten (z.B. Grundstückskataster) und einer Vielzahl von Funktionen (z.B. Info-Abfragen, Drucken).

Tabelle 1: Gegenüberstellung der historisch interessanten Inhalte der Geoportale der österreichischen Bundesländer
Die einzelnen WebGIS-Portale der Bundesländer im Überblick (alphabetisch):
Burgenland
Im Portal GeoDaten Burgenland sind diverse Themen abrufbar. Für die Regionalgeschichte interessant sind die Themen „Kataster“, „Archäologische Fundstellen“ (unter dem Themenbereich Kultur und Bildung) und Historische Luftbilder ab dem Jahr 1949 (unter dem Thema „Historische Daten“). Unter „Kultur und Bildung“ sind zwar Burgen und Schlösser auch darstellbar, aber leider sind neben dem Symbol keine weiteren Daten verfügbar. Ein nettes Feature versteckt sich hinter dem Thema „Österreich Karte“, wo die Österreichische Karte (ÖK) des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesens (BEV) in verschiedenen Maßstäben abgerufen werden kann.
Kärnten
Im Kärntner KAGIS wird neben dem aktuellen digitalen Kastaster (DKM) auch der historische Franziszeische Kataster dargestellt. Ansonsten finden sich eher nur Infos zu aktuellen Themen (z.B. Umwelt, Energie, Flächenwidmung).
Niederösterreich
Im NÖ-Atlas finden sich neben dem aktuellen digitalen Kataster auch weitere interessante Informationen für die Regionalforschung. Beispielsweise können zu Burgen und Schlössern (auch verfallene) weitere Informationen (z.B. Name, Kurzbeschreibung) abgefragt werden. An historischen Karten können die Administrativ-Karte (1867-1882), die Franzisco-Josephinische Landesaufnahme (ab 1872) und die georeferenzierte Vischer Karte (1669-1670) aufgerufen werden. Von der Vischer Karte gibt es auch eine nicht georeferenzierte Version auf den Seiten der niederösterreichischen Landesbibliothek.
Oberösterreich
Das umfangreichste Angebot zu Geschichtsthemen findet sich im DORIS. Dort gibt es mit dem Digitalen oberösterreichischen Geschichtsatlas (DOGA) eine Vielzahl an historischen Themen. Bei der Hausgeschichtsforschung ist Oberösterreich mit seinem Thema „Hofnamen und Häusergeschichte“ Vorreiter in Österreich und diesbezüglich bereits in Fachkreisen bekannt. Auch der Franziszeische Kataster (Urmappe) ist als Karte verfügbar. Weitere historische Landkarten wie die Landgerichtskarte (1906), die 3. Landesaufnahme (1877-1881), die Mapula von Lamprecht (1863), die Administrativkarte Souvent (1857), die Schütz Müller Karte (1787), die Vischer Karte (1667) und die Visscher Karte (1702) sind als Hintergrundkarten (Basemap) aufrufbar. Als weitere Geschichtsthemen sind historische Ansichten, Archäologische Fundstellen, Baudenkmäler (Burgen, Schlösser etc.), denkmalgeschützte Objekte, Historische Gemeindegrenzen, Kriegerdenkmäler, KZ-Gedenkstätten, die Schifffahrtskarte der Donau (1940) und Wahlergebnisse aus der 1. Republik. Darüber hinaus sind die aus Matricula bekannten Matriken (römisch-katholisch und evangelisch) abrufbar. Für die Regionalgeschichtsforschung stehen im DORIS auch Klein- und Flurdenkmäler zur Verfügung, welche von einem Arbeitskreis erfasst werden. Auch historische Luftbilder können heruntergeladen werden (verfügbar unter „DORIS-Basisthemen“).
Als aktuelle Karten gibt es den Digitalen Kataster sowie die Österreichische Karte des BEV als Hintergrundkarte (je nach Maßstabsbereich in den unterschiedlichen Ausprägungen).
Salzburg
Im Salzburger SAGIS ist der Franziszeischer Kataster aufrufbar. Besonders erwähnenswert ist, dass auch die dazugehörigen Schriftoperate (Bau- und Grundparzellenprotokoll, Häuserverzeichnis, Statistischer Fragebogen etc.) abrufbar sind (unter dem Thema „Orientierung“). Auch historische Orthofotos (z.B. 1945, 1952-1954, 1970er Jahre) sind verfügbar. Eine Karte der Burgen und Schlösser gibt es auch. Unter dem Thema Kultur finden sich auch Kleindenkmäler, Klöster, religiöse Baudenkmäler sowie Informationen zur Erzdiözese Salzburg (z.B. Dekanate, katholische Kirchen). Als Hintergrund ist auch die Österreichische Karte des BEV (ÖK) darstellbar.
Steiermark
Im Themenbereich Kunst und Kultur finden sich im Digitalen Atlas Steiermark Burgen und Schlösser, religiöse Baudenkmäler und archäologische Fundstellen. Unter Historische Karten finden sich die Josephinische Landesaufnahme (1787), die Vischer Karte (1678) und der Franziszeische Kataster (1820-1825). Zu letzterem sind auch die digitalisierten Unterlagen im Steiermärkischen Landesarchiv (z.B. Katastermappen, Grund- und Bauparzellenprotokolle, Indikationsskizzen) verlinkt. Auch in diesem GIS ist der aktuelle Digitale Kataster abrufbar.
Tirol
Im Tiroler tiris findet sich wie in allen bisherigen Geoportalen der aktuelle Digitale Kataster (unter „Basisthemen“). Unter dem Themenbereich „Raumordnung/Sonstige örtliche Raumordnung/Denkmalschutz“ findet man denkmalgeschützte Objekte. Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass auch das zugehörige Detailblatt (PDF) des Tiroler Kunstkatasters verlinkt ist. Unter dem Themenbereich „Sport/Kultur“ ist der gesamte Kunstkataster Tirol dargestellt, welcher u.a. Burgen, Schlösser, Kleindenkmäler, Bauernhäuser enthält. Auch das Ergebnis der Ensemblekartierung zur Siedlungs- und Kulturlandschaftsdokumentation ist hier aufrufbar. Archäologische Bodendenkmäler und Fundzonen sind ebenfalls im Themenbereich „Sport/Kultur“ zu finden. Als Hintergrundkarte ist auch die Österreichische Karte des BEV darstellbar (ÖK).
Für historisch interessierte Personen stellt das Land Tirol zahlreiche Historische Karten in einem eigenen Portal bereit, wobei einige auch georeferenziert sind. Die Karten entstammen aus verschiedenen Jahrhunderten (vom 15. bis zum 20. Jahrhundert). Das Kartenmaterial ist umfangreich und enthält neben Übersichtskarten (z.B. über die Grafschaft Tirol) auch einige Detailkarten sowie Ansichten (unter „Sonstige Karten“) zu einigen Orten. Es handelt sich dabei neben Wien und Oberösterreich um die umfangreichste Bereitstellung von digitalen historischen Karten.
Vorarlberg
Im Vorarlberg Atlas sind einige Historische Karten (z.B. Franziszeischer Kataster aus dem Jahre 1857, die 3. Landesaufnahme (1871-1872) sowie dessen revidierte Version (1887) und historische Versionen der Österreichische Karte (ÖK50) aus den Jahren 1946-1947, 1953-1967, 1961-1974 und 1971-1980. Verfügbar sind auch historische Luftbilder (z.B. 1930er, 1950er, 1970er Jahre). Kartografisch erfasste historische Flurnamen (Namensgut) sind auch darstellbar. Den aktuellen Digitalen Kataster gibt es natürlich auch. Unter dem Themenbereich „Bildung und Kultur“ finden sich Archäologische Fundzonen, Burgen, Kirchen sowie denkmalgeschützte Objekte.
Wien
In der Web-Applikation Wien Kulturgut werden zahlreiche Informationen zu Gebäuden (z.B. Baualterspläne, Bautypologien, Bauperioden, Detailinformationen aus der Basisinventarisierung der MA19 zu einzelnen Gebäuden) zur Verfügung gestellt. Auch die Kartierung von Kunstwerken im öffentlichen Raum (z.B. Denkmäler) ist als Karte verfügbar, wobei man durch Klick auf das Punktsymbol auch weitere Informationen dazu erhält.
Unter dem Themenbereich „Stadtarchäologie“ sind diverse Fundstellen, antike und mittelalterliche Siedlungsbereiche sowie Informationen zur historischen Stadtbefestigung darstellbar. Im Themenbereich „Wien Geschichte Wiki“ sind einzelne topografischen Objekte, Bauwerke und Organisationen (z.B. Gericht) mit Link zum Wien Geschichte Wiki als Karte aufrufbar.
Unter dem Themenblock „Historische Stadtpläne“ finden sich einige georeferenzierte Stadtpläne aus dem Zeitraum 18. bis 20. Jahrhundert. Dazu gehört auch eine vektorisierte Version des Franziszeischen Katasters für das gesamte heutige Stadtgebiet. Insbesondere die älteren Karten umfassen nur den heutigen 1. Bezirk bzw. die historischen Vorstädte. Für die zeitgeschichtlich Forschung ist der Kriegsschädenplan (um 1946) von Interesse. Eine Karte der historischen Gartenanlagen ist ebenfalls verfügbar. Unter dem Themenbereich „Wiener Stadtgeschichte“ gibt es Informationen zu mittelalterlichen Burgen und Schlössern, zur historischen Landschaftsentwicklung (insbesondere der Donau-Auen) sowie zu den historischen Wasserleitungen.
Einige der historischen Pläne sind auch im Geoportal der Wiener Stadtvermessung verfügbar. Darin findet sich auch der aktuelle Digitale Kataster. Als besonderes Feature verfügt dieses Geoportal über einen Time Slider für die historischen Luftbilder (Zeitraum 1938, 1956, 1961, 1976, 1981, 1992, 2014 etc.).
Nicht georeferenzierte Stadtpläne, Landkarten, Ansichten und Vogelschauen finden sich neben anderen kartografisch aufbereiteten Informationen (z.B. Detailpläne, Stadtgesichtsforschung, Bauplänen) in einem eigenen Karten-Bereich des Wien Geschichte Wikis.
Österreich
Über Geoland ist auch ein Geodatenportal für ganz Österreich verfügbar. Unter dem Themenbereich „Kultur“ finden sich darin Burgen und Schlösser, religiöse Baudenkmäler, denkmalgeschützte Objekte sowie ein Verzeichnis der Museen und Sammlungen. Auch der Digitale Kataster des BEV kann österreichweit angezeigt werden.
Vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) wird der Grundstückskataster auch in einer eigenen WebGIS-Applikation bereitgestellt. Für die Österreichische Karte des BEV gibt es auch ein eigenes Geoportal. Darin können Karten aus sieben verfügbaren Zeitperioden (1880, 1910, 1930, 1960, 1980, 2000, 2010) angezeigt werden. Mit Hilfe der Slider-Funktion können diese nebeneinander betrachtet werden.
Der für die historische Forschung sehr wertvolle Franziszeische Kataster aus dem 19. Jahrhundert kann als Karte (Mappenblätter) über das Portal Franzi der Universität Innsbruck österreichweit dargestellt werden.
Tipps zur Bedienung eines Geoportals
Die einzelnen Geoinformationssysteme der österreichischen Bundesländer bieten meist umfangreiche Hilfe-Seiten (z.B. Handbuch DORIS, Digitaler Atlas Steiermark & Vorarlberg) oder sogar Videos (z.B. DORIS Lernvideos, tiris Anleitungsvideos; SAGIS Tutorial). Diese Geoportale basieren fast alle auf der gleichen WebGIS-Technologie (Ausnahme Wien), allerdings in unterschiedlichen Versionen und Ausprägungen. Daher unterscheidet sich mitunter die Bedienung der Portale. Trotzdem folgen nun ein paar Tipps, um die Grundprinzipien besser zu verstehen:
Jeder digitale Atlas besteht aus einem Layerbaum (links), wo die einzelnen Karten ein- und ausgeschalten werden. Hier kann auch gesteuert werden, welche Hintergrundkarte man angezeigt bekommen will. Um eine Info-Abfrage auf ein dargestelltes Objekt (z.B. Punktsymbol oder Fläche) zu erhalten, muss der jeweilige Themenlayer eingeschalten sein – also links im Layerbaum aktiv sein. Um die Treffsicherheit zu erhöhen, sollte man möglichst reinzoomen in die Karte zum betreffenden Objekt und dann erst die Info-Abfrage starten. Reinzoomen kann man am besten mit dem Mausrad. Sind dennoch mehrere Themen abfragbar, so muss man ggf. auswählen, zu welchem Thema man die Info haben will. Man sollte auch darauf achten, dass der Cursor jene Form annimmt, wo Abfragen möglich sein (Cursor ist dann meist mit einem „i“ ergänzt).
Sie möchten gerne mehr über das Arbeiten mit GIS erfahren? Dann wäre ein Vortrag (mit Workshop) zum Thema GIS in der Heimat- und Ahnenforschung eine Möglichkeit.
© Andrea Drexler. Die hier veröffentlichten Inhalte unterliegen dem österreichischen Urheber- und Leistungsschutzrecht. Jegliche Verwertung bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung der Autorin bzw. des Autors. Inhalte und Rechte Dritter sind als solche gekennzeichnet.
[1] https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Geodaten, aufgerufen am 08.09.2026.

