Auf GenTeam (genteam.at, kostenlos, Registrierung erforderlich) sind bereits seit längerem die Verlustlisten des Ersten Weltkriegs in durchsuchbarer Form veröffentlicht. Sie umfassen Verwundete, Gefallene und Gefangene von Beginn des Krieges im Juli 1914 bis zum Herbst 1918. Eine lückenlose Erfassung war aufgrund fehlender Daten bereits während des Krieges nicht möglich. Durch die Auflösung der Monarchie sind besonders gegen Ende des Krieges die Aufzeichnungen rudimentär.
Mit dem aktuellen Update von GenTeam sind jetzt auch die Einträge der Heldenbücher von Oberösterreich, Vorarlberg, Burgenland und Kärnten in durchsuchbarer Form veröffentlicht. Sie wurden um das Jahr 1934 angelegt (siehe dazu den GIG-Beitrag „Die Heldenbücher des Ersten Weltkriegs“, verfasst am 19. Juni 2026 von Günther Wenth). Die Daten der Heldenbücher sind eine, besonders für Genealogen, hervorragende Ergänzung zu den Verlustlisten. Es sind hier beispielsweise auch erfasst:
an den Kriegsfolgen, Krankheiten und Kriegsstrapazen Verstorbene bis 1934
etwa 250 während des Kärntner Freiheitskampfes 1918/1919 Gefallene
Vermisste
Region des Verlustes, z. B. Italien, Serbien, Russland, Albanien, Türkei, Rumänien, Frankreich
die Gemeinden Südtirols und Opfer aus dem Trentino
(„österreichische“) Soldaten, welche in fremden Armeen gedient haben, z.B. Bayern, Baden-Württemberg
Soldaten anderer Kronländer, z. B. Böhmen, Mähren, Galizien, welche in „österreichischen“ Stammregimentern dienten
Die Einträge sind nicht alphabetisch sortiert. Da sie handschriftlich erstellt wurden, kommen bei Familiennamen Schreibfehler vor. In GenTeam ist das Suchkriterium „Enthält“ von Vorteil.
Wie die Verlustlisten sind auch die Heldenbücher nicht umfassend. Beispielsweise ist ein Pilot, welcher im Kampf an der Front abgeschossen und verstorben ist, im Heldenbuch erfasst. Stürzt das Flugzeug im Hinterland ab und der Pilot verstirbt, wurde dies nicht aufgezeichnet.
Weitere Heldenbücher werden in späteren GenTeam-Updates veröffentlicht. Im Moment wird an den Daten von Niederösterreich gearbeitet.
Die Heldenbücher, auch Totenbücher oder Ehrenbücher, des Ersten Weltkrieges wurden unter Leitung von Oberst d. R. Rudolf Brougier zwischen 1934 bis Anfang 1938 erstellt. In den Totenbüchern sind die Gefallenen während des Krieges, die Vermissten und für tot angenommen, an Kriegsfolgen bis etwa 1934 Verstorbene, k.u.k. Regimentsangehörige aus den Nachfolgestaaten, Kärntner Freiheitskämpfer inklusive Frauen, bei Unfällen Verstorbene und andere verzeichnet.
Entstehungsgeschichte
Für die Aufnahme in ein Heldenbuch wurde aus Rücksicht auf die Nachfolgestaaten der Monarchie das Staatsbürgerschaftsrecht der Republik angewendet. Es wurden jene Personen berücksichtigt, die entweder im damaligen (1934) Österreich inklusive Südtirol heimatberechtigt waren oder in einem Verband dienten, der sich aus der ehemaligen Monarchie ergänzte. Gefallene und Vermisste aus Südtirol und der ehemaligen Untersteiermark wurden ebenso aufgenommen. Ein Ableben im Hinterland wurde bzw. sollte nicht erfasst werden.
In Listenform sind Familienname (mit Adelstitel und akademischem Grad), Vorname, Dienstrang, Truppenkörper, Geburtsjahr, Todestag, Kriegsschauplatz des Todes und gegebenenfalls der Vermerk ‚vermisst‘ niedergeschrieben. Die Einträge sind nicht immer alphabetisch geordnet, teilweise nach Bezirk und innerhalb des Bezirkes nach Ort (Beispiel Burgenland), teilweise nach Ort sortiert. Die Reihenfolge der Spalten in den Heldenbüchern ist abweichend (Burgenland). Die Daten werden in durchsuchbarer Form auf GenTeam[1] teilweise veröffentlicht.
Für jedes Bundesland Österreichs wurde ein Buch erstellt. Aufgrund der hohen Zahl an Gefallenen gibt es für Niederösterreich zwei Bände.
Die „Vereinigung zur Errichtung eines Österreichischen Heldendenkmals in Wien“ (Heldendenkmal am Heldenplatz in Wien) begann im April 1934 mit der Anlage der Bücher. Oberst Rudolf Brougier leitete die Organisation der Schreibarbeiten und die Anfertigung der Bücher. Die Erhebung der Toten erfolgte unter Verwendung eines Formblattes, welches von verschiedenen staatlichen Stellen und Vereinen ausgefüllt wurde. Diese waren die Landesregierungen, Bezirkshauptmannschaften, Landesevidenzreferate, Kameradschaftsverbände, Traditionstruppenkörper usw.
Zusätzlich konnten Angehörige und Kameraden von Gefallenen oder Vermissten Daten an das Denkmalkomitee oder an das Bundesministerium für Landesverteidigung melden.
Ziel war, die Bücher im September 1934 zur Einweihung des Heldendenkmals fertig zu stellen und sie in einem Nebenraum der Krypta aufzubewahren. Zur Ehrung der Toten sollte jeden Tag pro Buch bzw. Bundesland eine neue Seite aufgeschlagen und eine Totenmesse gelesen werden. Mit der Anlage der Bücher wurde im April 1934 begonnen. Im September 1934 waren weder das Heldendenkmal noch die Heldenbücher fertig gestellt, ausgenommen das Buch von Tirol, welches durch die Landesregierung erstellt wurde. Auch im Burgenland wurde die Erstellung des Heldenbuches direkt von der Landesregierung übernommen. Dieses Buch wurde in Druckform erstellt und in einer Kleinserie von zehn Exemplaren aufgelegt.
Die „Vereinigung zur Errichtung eines Österreichischen Heldendenkmals in Wien“ wurde am 31. Dezember 1937 aufgelöst. Das vollendete Denkmal wurde am 1. Jänner 1938 der militärischen Verwaltung übergeben. Das Heldenbuch von Vorarlberg wurde im Februar 1938 in der Krypta hinterlegt. Das Wiener Heldenbuch wurde im Sommer 1938 fertig gestellt.[2]
Die Heldenbücher waren bis 2011 in der Krypta des Heldendenkmals ausgestellt.[3] Die Heldenbücher befinden sich heute (2026) im Österreichischen Staatsarchiv.
Die Daten der Heldenbücher sind weder vollständig noch fehlerfrei. Trotzdem sind sie für Genealogen, neben Verlustlisten, Grundbüchern, etc., eine wichtige Quelle.
Die Entstehung der Heldenbücher wird in diesem Beitrag anhand historischer Zeitungsartikel beschrieben.
1899: Ausmusterung aus der Theresianischen Militärakademie
1. August 1914: Beförderung zum Major im Generalstabskorps
Erster Weltkrieg: Generalstabschef der 10 Infanteriedivision, später eingeteilt beim Kommando des XX. Korps
1. Februar 1916: Oberstleutnant
3. Juli 1916: Flügeladjutant des Erzherzog Karl bzw. später von Kaiser Karl
1. Oktober 1920: Pensionierung
Tod: 13. Dezember 1944 in Wien
Beispielseiten
Abbildung 1: Beispiel einer Seite aus dem Heldenbuch von Oberösterreich[5]
Abbildung 2: Beispiel einer Seite aus dem Heldenbuch des Burgenlandes[6]
Abkürzungen in der Spalte „Kriegs-Gebiet“
Die für das Kriegsgebiet verwendeten Abkürzungen sind nicht einheitlich, manchmal mit oder ohne Punkt, manchmal ist das Land bzw. die Front ausgeschrieben, manchmal gibt es Ortsbezeichnungen (z.B. Adria).
Die Schrift ist eine kalligrafische Handschrift, geschrieben von unterschiedlichen Personen. Die Buchstaben I, J und T sind kaum unterscheidbar; V und O sind kaum unterscheidbar; A und O sind manchmal kaum unterscheidbar; W ist manchmal schlecht lesbar.
Beispiele:
Abbildung 3: Ausschnitt „Barth Alois: Jung.Sch.; J für Italien; Bernecker Karl: Jnf. für Infanterist; JR. 14 für Infanterieregiement 14“[7]
Abbildung 4: Ausschnitte „Jamerwein“[8] und „Patraow“[9]
Am Ende jeder Gemeinde ist handschriftlich mit Bleistift die Anzahl der Personen vermerkt. Die Daten sind meist alphabetisch gereiht. Bei der Reihung von Gemeinden gibt es wenige Ausnahmen. Bei den Familiennamen kommt es innerhalb einer Gemeinde fast immer zu Unregelmäßigkeiten. Da Personen auch nachträglich gemeldet wurden, ist am Ende jeder Gemeinde ein Leerraum, in den die Nachträge eingetragen wurden. Es gibt Schreibfehler bei Namen, selten sind diese mit Bleistift korrigiert.
Abbildung 5: Beispiel für Hinzufügung, Wimsbach[10]
Zeitungsberichte
26. April 1934: Wehrmann in Eisen
24. Juni 1934: Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien
15. Juli 1934: Benagelung des Wehrmanns in Eisen
26. Juli 1935: Das Heldenbuch für Kärnten
15. Dezember 1935: Die Heldenbücher in der Krypta.
29. Februar 1936: Gedenkblätter für 150.000 tote Helden
3. März 1936: Die Heldenbücher im Heldendenkmal
12. November 1936: Österreichs Heldenbücher
31. Dezember 1937: Vom Österreichischen Heldendenkmal
4. März 1938: Das Heldenbuch von Vorarlberg
„Wehrmann in Eisen.“
Neues Wiener Journal, 26. April 1934
Abbildung 6: Zeitungsbericht „Wehrmann in Eisen.“[11]
„Im ersten Kriegsjahr schuf der bekannte Bildhauer Professor Josef Müllner den „Wehrmann in Eisen“. Er wurde am 16. März 1915 unter großem Gepränge am Schwarzenbergplatz aufgestellt. Ungefähr 500.000 Nägel wurden eingeschlagen, wobei man für jeden eingeschlagenen Nagel eine Krone einzahlte. Das Erträgnis kam den Witwen- und Waisenfonds zugute. Dem Beispiel Wiens folgten viele Städte Österreichs und der verbündeten Staaten. Nun soll der „Wehrmann in Eisen“ in Wien wieder erstehen. Aus dem Erträgnis der Benagelung wird ein Heldenbuch angelegt, das die Namen der gefallenen Österreicher enthalten wird. Dieses Buch wird einen Ehrenplatz in der Krypta des Heldendenkmals erhalten.
Um Raum für die neue Benagelung zu schaffen, hat Professor Müllner einen Sockel für den „Wehrmann“ gebaut. Die feierliche Wiederaufstellung findet am 13. Mai im Beisein des Bundespräsidenten, der Mitglieder der Regierung und des Bürgermeisters von Wien statt. Bürgermeister Schmitz hat in liebenswürdigster Weise die Wiederaufstellung des „Wehrmanns in Eisen“ ermöglicht. Er versprach auch, die seinerzeitige Zusage des Bürgermeisters Weiskirchner, dem „Wehrmann in Eisen“ einen würdigen Aufstellungsplatz im Rathaus zu geben, zu verwirklichen.“
Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien
Neue Eisenstädter Zeitung, 24. Juni 1934
Abbildung 7: Zeitungsbericht „Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien“[12]
„Das Amt der Landesregierung hat über Vorschlag der „Vereinigung zur Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien“, VI., Stiftskaserne, Mariahilferstraße 22, zum Leiter und Referenten der neuzuerrichtenden Sektion Burgenland den Obstlt. A. D., wirkl. Amtsrat Heinrich Czerwinka bestimmt. Die Kanzlei dieser Sektion befindet Sich beim Amte der Landesregierung, Abt. I/1 (Landes-Evidenzreferat), im Landhause in Eisenstadt.
Alle Eingaben und Zuschriften, die sich aus dem Verkehre mit der Vereinigung zur Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien ergeben, sind von nun an ausschließlich an diese beim Amte der Landesregierung in Eisenstadt errichtete Sektion einzusenden.
Die noch ausständigen Verzeichnisse für das anzulegende Heldenbuch müssen, soweit diese bisher nicht nach Wien vorgelegt wurden, bis längstens 15. Juli 1934 der Sektion Burgenland vorgelegt werden. Einsendungen nach diesem Termine können aus technischen Gründen nicht mehr dem Zwecke, d. i. der Eintragung in das Heldenbuch, zugeführt werden, eine Maßnahme, die von den Angehörigen der Kriegsopfer, mit Rücksicht auf den Ewigkeitswert des aufzulegenden Heldenbuches sehr schwer empfunden werden wird.
Der Betrag von 1 S pro Kopf, bezw. Ein Pauschbetrag für Vereinigungen, Vereine u. dgl. Ist ebenfalls, soweit bisher keine Einzahlung nach Wien erfolgte, bis zum 15. Juli 1934 auf das Postsparkassenkonto Nr. D 21.734, Landes-Hypothekenanstalt für das Burgenland, Filiale Eisenstadt, einzuzahlen. Erlagscheine gehen allen Gemeinden in den nächsten Tagen zu, auf der Rückseite des Erlagscheines ist der Vermerk „Heldendenkmal“ unbedingt anzuführen, um Fehlbuchungen zu vermeiden.“
Benagelung des Wehrmannes in Eisen.
Neues Wiener Tagblatt, 15. Juli 1934
Abbildung 8: Zeitungsbericht „Benagelung des Wehrmannes in Eisen“[13]
„Die Vereinigung zur Errichtung des Österreichischen Heldendenkmales teilt mit, daß der Wehrmann in Eisen zur weiteren Benagelung durch die Bevölkerung voraussichtlich bis 11. September d. J. auf dem Schwarzenbergplatz stehen bleibt, um dann entsprechend den Weisungen des Bürgermeisters von Wien placiert zu werden. Jedes Mitglied der Vaterländischen Front hat bei Vorweisung der Mitgliedskarte das Recht, einen eisernen Nagel kostenlos in das Postament des Wehrmannes einzuschlagen. Besteht die Absicht, einen Nagel dem Gedenken eines vor dem Feinde gefallenen österreichischen Soldaten zu widmen und dessen Namen im Heldenbuch zu verewigen, so beträgt die Gebühr für einen eisernen Nagel einen Schilling, für einen vergoldeten Nagel zehn Schilling. Die Einzelbenagelung kann jederzeit vorgenommen werden. Korporative Benagelungen von seiten der Bezirksgruppen der Vaterländischen Front, der Wehrverbände und sonstiger Korporationen und Vereine sind einige Tage vorher im Sekretariat des Österreichischen Heldendenkmales, 7. Mariahilferstraße 22, Stiftskaserne, Telephon B 38240, anzumelden. Das Erträgnis der Benagelung wird zur Errichtung des Österreichischen Heldendenkmales und zur Anlegung des Österreichischen Heldenbuches verwendet.“
Das Heldenbuch für Kärnten
Klagenfurter Zeitung, 26. Juli 1935
Abbildung 9: Zeitungsbericht „Das Heldenbuch für Kärnten“[14]
„Der Landes-Pressereferent teil mit: Das Heldenbuch, das die Opfer verzeichnen soll, welche Kärnten im Weltkriege und in den Abwehrkämpfen an Menschen gebracht hat, geht seiner Vollendung entgegen. Sollten hiezu noch besondere Wünsche im Publikum vorhanden sein, so mögen sie ehestens dem Landesevidenzreferat der Landeshauptmannschaft Kärnten in Klagenfurt bekanntgegeben werden. Das Heldenbuch wird, wenn es im Druck erscheint, zu sehr annehmbaren Preisen erhältlich sein.“
Die Heldenbücher in der Krypta
Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 15. Dezember 1935
Abbildung 10: Zeitungsbericht „Die Heldenbücher in der Krypta“[15]
„In der Krypta des Heldendenkmales liegen die Heldenbücher auf, welche, nach Bundesländern und Gemeinden geordnet, die Namen und persönlichen Daten von allen Österreichern enthalten, die während des Weltkrieges ihr Leben für das Vaterland geopfert haben. Die Anlage der Heldenbücher wurde im April 1934 begonnen; bis Heute ist es gelungen, ungefähr 150.000 Namen zu erfassen. Diese Arbeit gestaltete sich um so schwieriger, als bisher nur das Land Tirol die Namen seiner Helden gesammelt hat, während in den andern Bundesländern und in Wien die Erhebungen vom Denkmalkomitee erst begonnen werden mußten.
Dank der Unterstützung durch die Landeshauptmannschaften konnten die Angaben für die Heldenbücher von Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark zum Großteil von den Heimatsgemeinden beschafft werden; auch einzelne Kameradschaftsverbände haben die Arbeit gefördert. Gegenwärtig sind die Schreibarbeiten für die Bücher dieser drei Länder im Gange, sie Dürften bis Mitte 1936 abgeschlossen sein. Für Kärnten und Salzburg haben die Landesevidenzreferate das Material gesammelt und geordnet, so daß diese Heldenbücher abgeschlossen sind. Das Kärntner Buch mir rund 13.000 Namen beweist, daß dieses Land im Weltkrieg verhältnismäßig die größten Blutopfer gebracht hat. Besondere Schwierigkeiten waren bei der Anlage des Heldenbuches von Wien zu überwinden, da amtliche Quellen hier nicht zur Verfügung standen und die freiwilligen Anmeldungen von seiten der Angehörigen von Gefallenen trotz der Aktion „Wehrmann in Eisen“ und der Aufforderung, die Anmeldungen bei den Polizeikommissariaten und den Bezirksbehörden der Stadt vorzunehmen, sehr spärlich einliefen. Die Traditionstruppenkörper der Wiener Regimenter haben sich daher zum großen Teil in den Dienst der Heldenehrung gestellt, so daß heute die Wiener Helden der Infanterieregimenter Nr. 4 und 84, des Feldjägerbataillons Nr. 21, Der Schützenregimenter Nr. 1 und Nr. 24, des Wiener Landsturms und der Wiener Artillerieformationen bereits in das Heldenbuch eingetragen werden konnten. Überdies enthält das Wiener Heldenbuch ein alphabetisches Verzeichnis jener gefallenen Wiener, die bei andern Truppenkörpern gedient haben und während des Weltkrieges für ihre Heimat gestorben sind. Trotz aller Mühe sind bisher nur etwa 15.000 Namen im Wiener Heldenbuch verzeichnet, so daß die weitere Mitarbeit der Bevölkerung und der Traditionsverbände dringend erwünscht ist, um möglichst viele Namen der Nachwelt zu erhalten. Die Heldenbücher des Burgenlandes und von Vorarlberg fehlen noch.
In jedem Band der bereits aufliegenden Heldenbücher wird täglich eine Seite umgeschlagen und für die dort verzeichneten Helden die heilige Messe in der Krypta aufgeopfert; auf diese Weise wird die dankbare Verbundenheit der Lebenden mit den Toten wohl auf das sinnvollste zum Ausdruck gebracht. Auszüge aus dem Heldenbuch für Angehörige oder für Gemeinden sind beim Denkmalaufseher gegen geringes Entgelt zu bestellen; die Kosten für die Anlage der Heldenbücher übersteigen bereits 12.500 S; sie sollten durch freiwillige Beiträge und Spenden gedeckt werden.“
Gedenkblätter für 150.000 tote Helden
Salzburger Chronik für Stadt und Land, 29. Februar 1936
Abbildung 11: Zeitungsbericht „Gedenkblätter für 150.000 tote Helden“[16]
„In einem Nebenraum der Krypta des Wiener Heldendenkmals gelangten dieser Tage in Großen Stilvollen Schränken die fertiggestellten österreichischen „Heldenbücher“ zur Aufbewahrung, in denen nach Ländern und Gemeinden geordnet, die Namen aller während des Weltkrieges gefallenen und gestorbenen Soldaten der k. u. k. Armee eingetragen sind. Es ist wahrlich keine leichte Arbeit gewesen, diese Heldenbücher anzulegen und bei der mangelhaften beziehungsweise zum größten Teil in Verlust geratenen Evidenzführung die Namen von mehr als 150.000 im Weltkrieg gefallenen österreichischen Kriegern wieder zu verzeichnen. Aber trotz aller Schwierigkeiten ist die im April 1934 begonnene Arbeit rüstig fortgeführt und fast vollendet.
Die Anlage der Heldenbücher gestaltete sich um so schwieriger, als ursprünglich nur das Land Tirol die Namen seiner Helden gesammelt hatte, während in den anderen Bundesländern und in der Bundeshauptstadt selbst die Erhebungen erst begonnen werden mußten. Dank der Unterstützung durch die Landeshauptmannschaften konnten die Angaben für die Heldenbücher von Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark zum Großteil von den Heimatgemeinden beschafft werden, wobei sich auch einzelne Kameradschaftsverbände um diese mühsame Arbeit große Verdienste erwarben. Für Kärnten und Salzburg waren es wieder die Landes-Evidenzreferate, die das Material zusammentrugen und in unverdrossenem Arbeitseifer ihre Heldenbücher zusammenstellten.
Besondere Schwierigkeiten waren aber bei der Anlage des Wiener Heldenbuches zu verzeichnen, da hier keinerlei amtliche Quellen zur Verfügung standen und die freiwilligen Anmeldungen seitens der Angehörigen von Gefallenen trotz wiederholter amtlicher Aufforderung sehr spärlich einliefen. Darum haben die Traditionstruppenkörper der Wiener Regimenter sich in den Dienst dieser bleibenden Heldenehrung gestellt. Bisher konnten die toten Helden der Infanterieregimenter 4, 84, des Feldjägerbatillons 21, der Schützenregimenter 1, 24, des Wiener Landsturms und der Wiener Artillerieformationen in das Wiener Heldenbuch eingetragen werden. Im Wiener Heldenbuch wurden auch jene gefallenen Wiener eingetragen, die bei anderen Truppenkörpern gedient haben und während des Weltkrieges für ihre Heimat gestorben sind. So sind bereits 15.000 Namen von Wiener Weltkriegsopfern in den Heldenbüchern verzeichnet und es wird gelingen, die Namen sämtlicher Wiener Kriegsopfer in dieser pietätvollen Art der Nachwelt zu erhalten.
In den bereits abgeschlossenen Heldenbüchern sind rund neunzig Prozent der österreichischen Weltkriegsoper verzeichnet, es fehlen nunmehr nur noch die Bundesländer Vorarlberg und Burgenland, die aber auch bald vermerkt werden sollen. Es sind hiefür einige Kalligraphen am Werk, die die Namen jedes einzelnen Weltkriegsopfers samt den Personaldaten verzeichnen.“
Die Heldenbücher im Heldendenkmal
Neues Wiener Tagblatt, 3. März 1936
Abbildung 12: Zeitungsbericht „Die Heldenbücher im Heldendenkmal“[17]
„Im Seitenraum der Krypta des Heldendenkmals wurden in letzter Zeit neue Schaukästen für die dort aufbewahrten Heldenbücher aufgestellt; damit ist dieser Raum jener Bestimmung zugeführt worden, die bereits bei der Errichtung des Denkmals vorgesehen war: Die Namen der toten Helden des Weltkrieges zu verewigen. Die Vitrinen, aus dunkel gebeiztem Eichen holz hergestellt, erfüllen mit monumentaler Wirkung den Raum; ihrer Anordnung liegt die Kreuzform zugrunde; als Sinnbild des Heldentums krönt ein frischer Lorbeerkranz die Abteile, in welchen die Heldenbücher ruhen.
Bisher konnten mit Hilfe der Landes- und Bezirkshauptmannschaften, der Gemeinden, dann von Kameradschaftsverbänden und Traditionstruppenkörpern, die Heldenbücher von Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg und Tirol angelegt werden; jene von Kärnten, Salzburg und Tirol sin so weit abgeschlossen, daß wesentliche Ergänzungen nicht mehr erfolgen werden. Die zwei Heldenbücher von Niederösterreich stehen jetzt in Arbeit, ihnen werden jene von Oberösterreich und Steiermark folgen, für die bereits umfangreiche Vervollständigungen vorliegen. Das Heldenbuch von Wien erscheint wohl in dem Sinne abgeschlossen, daß die Toten der Wiener Hausregimenter, mit Ausnahme des Dragonerregiments Nr. 3, truppenkörperweise verzeichnet sind. Dagegen fehlen noch tausende Namen von solchen Wienern, die bei andern Regimentern gedient haben, darunter viele Reserveoffiziere. Diese Namen können nur durch Anmeldung seitens der Angehörigen erfaßt werden, und an alle Verwandten, Freunde und Kameraden der toten Helden ergeht neuerdings das dringende Ersuchen, diese Anmeldung entweder beim Heldendenkmal selbst oder bei einem Polizeikommissariat vorzunehmen. Das Heldenbuch für das Burgenland wird von der Landeshauptmannschaft in Eisenstadt selbst bearbeitet und dürfte in den nächsten Monaten aufgelegt werden; für Vorarlberg liegt noch kein Material vor.“
„Österreichs Heldenbücher. Die Arbeiten an Österreichs Heldenbüchern, die die Namen der Gefallenen auf dem Staatsgebiet des neuen Österreich länderweise verzeichnen, sind für Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol und Kärnten abgeschlossen. Es sind dabei von ungefähr 200.000 Mann, die auf dem heutigen Staatsgebiet im Krieg gefallen sind, schon rund 165.000 verzeichnet. Schwierigkeiten mach noch das Wiener Heldenbuch bezüglich jener Wiener, die nicht in den Hausregimentern dienten. In Burgenland und Vorarlberg werden die Heldenbücher von den Landesregierungen angelegt.“
Vom Österreichischen Heldendenkmal
Danzers Armee Zeitung, 1937
Abbildung 14: Zeitungsbericht Vom Österreichischen Heldendenkmal“[19]
„Das Österreichische Heldendenkmal in Wien wird mit 1. Jänner 1938 vom Bundesministerium für Landesverteidigung in militärische Verwaltung übernommen; die Regelung der beim Heldendenkmal abzuhaltenden Feiern obliegt in Hinkunft dem Platzkommando Wien, 1. Bez., Universitätsstraße 7, bei dem diese Veranstaltungen anzumelden sind. Die Abschlußarbeiten an den Heldenbüchern werden noch von der Vereinigung durchgeführt, weiterhin wird das Heeresministerium die Ergänzung dieser den Toten des Weltkrieges geweihten Bücher besorgen.
Am 20. Dezember 1937 fand die letzte Vollversammlung der „Vereinigung zur Errichtung eines Österreichischen Heldendenkmals in Wien“ statt. Die reinen Kosten für den Bau und die künstlerische Ausschmückung betragen 607.000 S, an Nebenauslagen für Kanzlei, Post, Telefonat und Regien sind in fast fünf Jahren 99.000 S aufgelaufen; für die Anlage der Heldenbücher wurden bisher 11.000 S netto aufgewendet (die Landeshauptmannschaft Burgenland hat ihr Heldenbuch dem Denkmal gespendet). Endlich haben die ursprünglich nicht vorgesehenen Kosten für die Führung des Denkmals seit September 1924, also die Ausgaben für den Aufseher, für den Betrieb und die Erhaltung, bis jetzt 11.000 S ausgemacht. Alle diese Auslagen von zusammen 728.000 S sind zur Gänze bezahlt, so daß die Vereinigung auch finanziell ihre Aufgabe erledigt hat.
Noch in Ausführung begriffen ist die Ausschmückung der Steinwände an den beiden Ehrentreppen durch acht Kriegerköpfe, von denen vier – deutsche Soldatenköpfe – bereits angebracht sind, während vier Köpfe, die von den Nationen der alten Monarchie einen Nord- und einen Südslawen, einen Magyaren und einen Italiener darstellen, derzeit noch bearbeitet werden. Die Kosten dieser acht Köpfe werden aus den Mitteln der Kunstförderung seitens des Bundesministeriums für Unterreicht und der Gemeinde Wien bestritten.
Die Errichtung des Heldendenkmals hat einigen österreichischen Künstlern und einer Reihe von Berufen in schwerer Zeit Arbeit und Verdienst geschaffen und so neben ethischen Werten auch wirtschaftliche Vorteile gefördert.
Die Anlage der Heldenbücher für Wien und die Bundesländer ist nach vier Jahren schwieriger Arbeit dank der Unterstützung durch Behörden (besonders die Landesevidenzreferate von Kärnten und Salzburg seien angeführt) und durch Traditions- wie Kameradschaftsverbände so weit gediehen, daß von den auf 180.000 Kriegstote geschätzten Verlusten des heutigen Österreich etwa 160.000 Namen – meist mit persönlichen Angaben – verzeichnet werden konnten. Das Heldenbuch von Wien wird derzeit reingeschrieben, für das Vorarlberger Heldenbuch wurden die Unterlagen seitens der Landeshauptmannschaft endlich in Aussicht gestellt, das burgenländische Heldenbuch wurde als Spende des Landes vor einigen Tagen in der Krypta hinterlegt. Bis Frühjahr 1938 dürften alle Heldenbücher in der Krypta aufliegen: ihre weitere Ergänzung wird wohl nur mehr durch Anmeldungen seitens der Angehörigen oder Kameraden von Gefallenen möglich sein und wird dann durch das Heeresmuseum veranlasst werden.
Mit Stimmeneinheit wurde die Übergabe des Heldendenkmals an das Bundesministerium für Landesverteidigung und die Auflösung der Vereinigung mir 1. Jänner 19138 beschlossen.“
Das Heldenbuch von Vorarlberg
Österreichische Wehrzeitung, 4. März 1938
Abbildung 15: Zeitungsbericht „Das Heldenbuch von Vorarlberg“[20]
„wurde dieser Tage in der Krypta des Österreichischen Heldendenkmals hinterlegt; damit sind nun die Heldenbücher aller Bundesländer in den Schaukästen vorhanden.
Das Vorarlberger Buch umfasst rund 5000 Namen samt Personaldaten von Kriegstoten aus den 98 Ortsgemeinden dieses Landes. Somit beträgt der Totenverlust von Vorarlberg – unter Berücksichtigung seiner Einwohnerzahl von damals 145.000 – etwa 34 Tote von je 1000 der Heimatsbevölkerung, und wird in Österreich nur von den Verlusten des Landes Kärnten übertroffen. Der Durchschnitt für die gesamte Monarchie beträgt 23,9 Tote von 1000 der Bevölkerung.
Die Vorarlberger haben der Hauptsache nach bei den Tiroler Kaiserjägern, den Kaiserschützen, dann bei den Tiroler Landsturm-Infanterieregimentern Nr. 1 und 2, und bei einzelnen Landsturmbataillonen gedient. Mehr als die Hälfte aller Toten entfällt auf das erste Kriegsjahr vom August 1914 bis zum Sommer 1915, da die Tiroler Truppenkörper auf den italienischen Kriegsschauplatz verlegt wurden, wo sie noch dreieinhalb Jahre lang bei allen entscheidenden Kämpfen voll eingesetzt waren. Ein vollgültiger Beweis, wie schwer gerade so hervorragend tapfere Truppen durch den Mangel an Kriegserfahrung betroffen werden!
Das Heldenbuch beruht zum Teil auf direkten Anmeldungen von Angehörigen, Kameraden und Gemeinden bei der Denkmalvereinigung, der Hauptsache nach auf den mit vorbildlicher Genauigkeit durchgeführten Erhebungen im Auftrage der Landeshauptmannschaft, die erst im Dezember 1937 abgeschlossen waren. Diese Nachforschungen lassen auch erkennen, wie viele brave Kaiserjäger, Kaiserschützen und Landstürmer aus Vorarlberg in den russischen Kriegsgefangenenlagern an Flecktyphus und anderen Infektionskrankheiten zugrunde gegangen sind.
Das Wiener Heldenbuch wird bis zum Sommer 1838 gleichfalls fertiggestellt und damit die ganze vierjährige Arbeit im Dienste pietätvollen Gedenkens beendet sein.“