Auf GenTeam (genteam.at, kostenlos, Registrierung erforderlich) sind bereits seit längerem die Verlustlisten des Ersten Weltkriegs in durchsuchbarer Form veröffentlicht. Sie umfassen Verwundete, Gefallene und Gefangene von Beginn des Krieges im Juli 1914 bis zum Herbst 1918. Eine lückenlose Erfassung war aufgrund fehlender Daten bereits während des Krieges nicht möglich. Durch die Auflösung der Monarchie sind besonders gegen Ende des Krieges die Aufzeichnungen rudimentär.
Mit dem aktuellen Update von GenTeam sind jetzt auch die Einträge der Heldenbücher von Oberösterreich, Vorarlberg, Burgenland und Kärnten in durchsuchbarer Form veröffentlicht. Sie wurden um das Jahr 1934 angelegt (siehe dazu den GIG-Beitrag „Die Heldenbücher des Ersten Weltkriegs“, verfasst am 19. Juni 2026 von Günther Wenth). Die Daten der Heldenbücher sind eine, besonders für Genealogen, hervorragende Ergänzung zu den Verlustlisten. Es sind hier beispielsweise auch erfasst:
an den Kriegsfolgen, Krankheiten und Kriegsstrapazen Verstorbene bis 1934
etwa 250 während des Kärntner Freiheitskampfes 1918/1919 Gefallene
Vermisste
Region des Verlustes, z. B. Italien, Serbien, Russland, Albanien, Türkei, Rumänien, Frankreich
die Gemeinden Südtirols und Opfer aus dem Trentino
(„österreichische“) Soldaten, welche in fremden Armeen gedient haben, z.B. Bayern, Baden-Württemberg
Soldaten anderer Kronländer, z. B. Böhmen, Mähren, Galizien, welche in „österreichischen“ Stammregimentern dienten
Die Einträge sind nicht alphabetisch sortiert. Da sie handschriftlich erstellt wurden, kommen bei Familiennamen Schreibfehler vor. In GenTeam ist das Suchkriterium „Enthält“ von Vorteil.
Wie die Verlustlisten sind auch die Heldenbücher nicht umfassend. Beispielsweise ist ein Pilot, welcher im Kampf an der Front abgeschossen und verstorben ist, im Heldenbuch erfasst. Stürzt das Flugzeug im Hinterland ab und der Pilot verstirbt, wurde dies nicht aufgezeichnet.
Weitere Heldenbücher werden in späteren GenTeam-Updates veröffentlicht. Im Moment wird an den Daten von Niederösterreich gearbeitet.
Die Heldenbücher, auch Totenbücher oder Ehrenbücher, des Ersten Weltkrieges wurden unter Leitung von Oberst d. R. Rudolf Brougier zwischen 1934 bis Anfang 1938 erstellt. In den Totenbüchern sind die Gefallenen während des Krieges, die Vermissten und für tot angenommen, an Kriegsfolgen bis etwa 1934 Verstorbene, k.u.k. Regimentsangehörige aus den Nachfolgestaaten, Kärntner Freiheitskämpfer inklusive Frauen, bei Unfällen Verstorbene und andere verzeichnet.
Entstehungsgeschichte
Für die Aufnahme in ein Heldenbuch wurde aus Rücksicht auf die Nachfolgestaaten der Monarchie das Staatsbürgerschaftsrecht der Republik angewendet. Es wurden jene Personen berücksichtigt, die entweder im damaligen (1934) Österreich inklusive Südtirol heimatberechtigt waren oder in einem Verband dienten, der sich aus der ehemaligen Monarchie ergänzte. Gefallene und Vermisste aus Südtirol und der ehemaligen Untersteiermark wurden ebenso aufgenommen. Ein Ableben im Hinterland wurde bzw. sollte nicht erfasst werden.
In Listenform sind Familienname (mit Adelstitel und akademischem Grad), Vorname, Dienstrang, Truppenkörper, Geburtsjahr, Todestag, Kriegsschauplatz des Todes und gegebenenfalls der Vermerk ‚vermisst‘ niedergeschrieben. Die Einträge sind nicht immer alphabetisch geordnet, teilweise nach Bezirk und innerhalb des Bezirkes nach Ort (Beispiel Burgenland), teilweise nach Ort sortiert. Die Reihenfolge der Spalten in den Heldenbüchern ist abweichend (Burgenland). Die Daten werden in durchsuchbarer Form auf GenTeam[1] teilweise veröffentlicht.
Für jedes Bundesland Österreichs wurde ein Buch erstellt. Aufgrund der hohen Zahl an Gefallenen gibt es für Niederösterreich zwei Bände.
Die „Vereinigung zur Errichtung eines Österreichischen Heldendenkmals in Wien“ (Heldendenkmal am Heldenplatz in Wien) begann im April 1934 mit der Anlage der Bücher. Oberst Rudolf Brougier leitete die Organisation der Schreibarbeiten und die Anfertigung der Bücher. Die Erhebung der Toten erfolgte unter Verwendung eines Formblattes, welches von verschiedenen staatlichen Stellen und Vereinen ausgefüllt wurde. Diese waren die Landesregierungen, Bezirkshauptmannschaften, Landesevidenzreferate, Kameradschaftsverbände, Traditionstruppenkörper usw.
Zusätzlich konnten Angehörige und Kameraden von Gefallenen oder Vermissten Daten an das Denkmalkomitee oder an das Bundesministerium für Landesverteidigung melden.
Ziel war, die Bücher im September 1934 zur Einweihung des Heldendenkmals fertig zu stellen und sie in einem Nebenraum der Krypta aufzubewahren. Zur Ehrung der Toten sollte jeden Tag pro Buch bzw. Bundesland eine neue Seite aufgeschlagen und eine Totenmesse gelesen werden. Mit der Anlage der Bücher wurde im April 1934 begonnen. Im September 1934 waren weder das Heldendenkmal noch die Heldenbücher fertig gestellt, ausgenommen das Buch von Tirol, welches durch die Landesregierung erstellt wurde. Auch im Burgenland wurde die Erstellung des Heldenbuches direkt von der Landesregierung übernommen. Dieses Buch wurde in Druckform erstellt und in einer Kleinserie von zehn Exemplaren aufgelegt.
Die „Vereinigung zur Errichtung eines Österreichischen Heldendenkmals in Wien“ wurde am 31. Dezember 1937 aufgelöst. Das vollendete Denkmal wurde am 1. Jänner 1938 der militärischen Verwaltung übergeben. Das Heldenbuch von Vorarlberg wurde im Februar 1938 in der Krypta hinterlegt. Das Wiener Heldenbuch wurde im Sommer 1938 fertig gestellt.[2]
Die Heldenbücher waren bis 2011 in der Krypta des Heldendenkmals ausgestellt.[3] Die Heldenbücher befinden sich heute (2026) im Österreichischen Staatsarchiv.
Die Daten der Heldenbücher sind weder vollständig noch fehlerfrei. Trotzdem sind sie für Genealogen, neben Verlustlisten, Grundbüchern, etc., eine wichtige Quelle.
Die Entstehung der Heldenbücher wird in diesem Beitrag anhand historischer Zeitungsartikel beschrieben.
1899: Ausmusterung aus der Theresianischen Militärakademie
1. August 1914: Beförderung zum Major im Generalstabskorps
Erster Weltkrieg: Generalstabschef der 10 Infanteriedivision, später eingeteilt beim Kommando des XX. Korps
1. Februar 1916: Oberstleutnant
3. Juli 1916: Flügeladjutant des Erzherzog Karl bzw. später von Kaiser Karl
1. Oktober 1920: Pensionierung
Tod: 13. Dezember 1944 in Wien
Beispielseiten
Abbildung 1: Beispiel einer Seite aus dem Heldenbuch von Oberösterreich[5]
Abbildung 2: Beispiel einer Seite aus dem Heldenbuch des Burgenlandes[6]
Abkürzungen in der Spalte „Kriegs-Gebiet“
Die für das Kriegsgebiet verwendeten Abkürzungen sind nicht einheitlich, manchmal mit oder ohne Punkt, manchmal ist das Land bzw. die Front ausgeschrieben, manchmal gibt es Ortsbezeichnungen (z.B. Adria).
Die Schrift ist eine kalligrafische Handschrift, geschrieben von unterschiedlichen Personen. Die Buchstaben I, J und T sind kaum unterscheidbar; V und O sind kaum unterscheidbar; A und O sind manchmal kaum unterscheidbar; W ist manchmal schlecht lesbar.
Beispiele:
Abbildung 3: Ausschnitt „Barth Alois: Jung.Sch.; J für Italien; Bernecker Karl: Jnf. für Infanterist; JR. 14 für Infanterieregiement 14“[7]
Abbildung 4: Ausschnitte „Jamerwein“[8] und „Patraow“[9]
Am Ende jeder Gemeinde ist handschriftlich mit Bleistift die Anzahl der Personen vermerkt. Die Daten sind meist alphabetisch gereiht. Bei der Reihung von Gemeinden gibt es wenige Ausnahmen. Bei den Familiennamen kommt es innerhalb einer Gemeinde fast immer zu Unregelmäßigkeiten. Da Personen auch nachträglich gemeldet wurden, ist am Ende jeder Gemeinde ein Leerraum, in den die Nachträge eingetragen wurden. Es gibt Schreibfehler bei Namen, selten sind diese mit Bleistift korrigiert.
Abbildung 5: Beispiel für Hinzufügung, Wimsbach[10]
Zeitungsberichte
26. April 1934: Wehrmann in Eisen
24. Juni 1934: Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien
15. Juli 1934: Benagelung des Wehrmanns in Eisen
26. Juli 1935: Das Heldenbuch für Kärnten
15. Dezember 1935: Die Heldenbücher in der Krypta.
29. Februar 1936: Gedenkblätter für 150.000 tote Helden
3. März 1936: Die Heldenbücher im Heldendenkmal
12. November 1936: Österreichs Heldenbücher
31. Dezember 1937: Vom Österreichischen Heldendenkmal
4. März 1938: Das Heldenbuch von Vorarlberg
„Wehrmann in Eisen.“
Neues Wiener Journal, 26. April 1934
Abbildung 6: Zeitungsbericht „Wehrmann in Eisen.“[11]
„Im ersten Kriegsjahr schuf der bekannte Bildhauer Professor Josef Müllner den „Wehrmann in Eisen“. Er wurde am 16. März 1915 unter großem Gepränge am Schwarzenbergplatz aufgestellt. Ungefähr 500.000 Nägel wurden eingeschlagen, wobei man für jeden eingeschlagenen Nagel eine Krone einzahlte. Das Erträgnis kam den Witwen- und Waisenfonds zugute. Dem Beispiel Wiens folgten viele Städte Österreichs und der verbündeten Staaten. Nun soll der „Wehrmann in Eisen“ in Wien wieder erstehen. Aus dem Erträgnis der Benagelung wird ein Heldenbuch angelegt, das die Namen der gefallenen Österreicher enthalten wird. Dieses Buch wird einen Ehrenplatz in der Krypta des Heldendenkmals erhalten.
Um Raum für die neue Benagelung zu schaffen, hat Professor Müllner einen Sockel für den „Wehrmann“ gebaut. Die feierliche Wiederaufstellung findet am 13. Mai im Beisein des Bundespräsidenten, der Mitglieder der Regierung und des Bürgermeisters von Wien statt. Bürgermeister Schmitz hat in liebenswürdigster Weise die Wiederaufstellung des „Wehrmanns in Eisen“ ermöglicht. Er versprach auch, die seinerzeitige Zusage des Bürgermeisters Weiskirchner, dem „Wehrmann in Eisen“ einen würdigen Aufstellungsplatz im Rathaus zu geben, zu verwirklichen.“
Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien
Neue Eisenstädter Zeitung, 24. Juni 1934
Abbildung 7: Zeitungsbericht „Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien“[12]
„Das Amt der Landesregierung hat über Vorschlag der „Vereinigung zur Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien“, VI., Stiftskaserne, Mariahilferstraße 22, zum Leiter und Referenten der neuzuerrichtenden Sektion Burgenland den Obstlt. A. D., wirkl. Amtsrat Heinrich Czerwinka bestimmt. Die Kanzlei dieser Sektion befindet Sich beim Amte der Landesregierung, Abt. I/1 (Landes-Evidenzreferat), im Landhause in Eisenstadt.
Alle Eingaben und Zuschriften, die sich aus dem Verkehre mit der Vereinigung zur Errichtung eines österreichischen Heldendenkmals in Wien ergeben, sind von nun an ausschließlich an diese beim Amte der Landesregierung in Eisenstadt errichtete Sektion einzusenden.
Die noch ausständigen Verzeichnisse für das anzulegende Heldenbuch müssen, soweit diese bisher nicht nach Wien vorgelegt wurden, bis längstens 15. Juli 1934 der Sektion Burgenland vorgelegt werden. Einsendungen nach diesem Termine können aus technischen Gründen nicht mehr dem Zwecke, d. i. der Eintragung in das Heldenbuch, zugeführt werden, eine Maßnahme, die von den Angehörigen der Kriegsopfer, mit Rücksicht auf den Ewigkeitswert des aufzulegenden Heldenbuches sehr schwer empfunden werden wird.
Der Betrag von 1 S pro Kopf, bezw. Ein Pauschbetrag für Vereinigungen, Vereine u. dgl. Ist ebenfalls, soweit bisher keine Einzahlung nach Wien erfolgte, bis zum 15. Juli 1934 auf das Postsparkassenkonto Nr. D 21.734, Landes-Hypothekenanstalt für das Burgenland, Filiale Eisenstadt, einzuzahlen. Erlagscheine gehen allen Gemeinden in den nächsten Tagen zu, auf der Rückseite des Erlagscheines ist der Vermerk „Heldendenkmal“ unbedingt anzuführen, um Fehlbuchungen zu vermeiden.“
Benagelung des Wehrmannes in Eisen.
Neues Wiener Tagblatt, 15. Juli 1934
Abbildung 8: Zeitungsbericht „Benagelung des Wehrmannes in Eisen“[13]
„Die Vereinigung zur Errichtung des Österreichischen Heldendenkmales teilt mit, daß der Wehrmann in Eisen zur weiteren Benagelung durch die Bevölkerung voraussichtlich bis 11. September d. J. auf dem Schwarzenbergplatz stehen bleibt, um dann entsprechend den Weisungen des Bürgermeisters von Wien placiert zu werden. Jedes Mitglied der Vaterländischen Front hat bei Vorweisung der Mitgliedskarte das Recht, einen eisernen Nagel kostenlos in das Postament des Wehrmannes einzuschlagen. Besteht die Absicht, einen Nagel dem Gedenken eines vor dem Feinde gefallenen österreichischen Soldaten zu widmen und dessen Namen im Heldenbuch zu verewigen, so beträgt die Gebühr für einen eisernen Nagel einen Schilling, für einen vergoldeten Nagel zehn Schilling. Die Einzelbenagelung kann jederzeit vorgenommen werden. Korporative Benagelungen von seiten der Bezirksgruppen der Vaterländischen Front, der Wehrverbände und sonstiger Korporationen und Vereine sind einige Tage vorher im Sekretariat des Österreichischen Heldendenkmales, 7. Mariahilferstraße 22, Stiftskaserne, Telephon B 38240, anzumelden. Das Erträgnis der Benagelung wird zur Errichtung des Österreichischen Heldendenkmales und zur Anlegung des Österreichischen Heldenbuches verwendet.“
Das Heldenbuch für Kärnten
Klagenfurter Zeitung, 26. Juli 1935
Abbildung 9: Zeitungsbericht „Das Heldenbuch für Kärnten“[14]
„Der Landes-Pressereferent teil mit: Das Heldenbuch, das die Opfer verzeichnen soll, welche Kärnten im Weltkriege und in den Abwehrkämpfen an Menschen gebracht hat, geht seiner Vollendung entgegen. Sollten hiezu noch besondere Wünsche im Publikum vorhanden sein, so mögen sie ehestens dem Landesevidenzreferat der Landeshauptmannschaft Kärnten in Klagenfurt bekanntgegeben werden. Das Heldenbuch wird, wenn es im Druck erscheint, zu sehr annehmbaren Preisen erhältlich sein.“
Die Heldenbücher in der Krypta
Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 15. Dezember 1935
Abbildung 10: Zeitungsbericht „Die Heldenbücher in der Krypta“[15]
„In der Krypta des Heldendenkmales liegen die Heldenbücher auf, welche, nach Bundesländern und Gemeinden geordnet, die Namen und persönlichen Daten von allen Österreichern enthalten, die während des Weltkrieges ihr Leben für das Vaterland geopfert haben. Die Anlage der Heldenbücher wurde im April 1934 begonnen; bis Heute ist es gelungen, ungefähr 150.000 Namen zu erfassen. Diese Arbeit gestaltete sich um so schwieriger, als bisher nur das Land Tirol die Namen seiner Helden gesammelt hat, während in den andern Bundesländern und in Wien die Erhebungen vom Denkmalkomitee erst begonnen werden mußten.
Dank der Unterstützung durch die Landeshauptmannschaften konnten die Angaben für die Heldenbücher von Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark zum Großteil von den Heimatsgemeinden beschafft werden; auch einzelne Kameradschaftsverbände haben die Arbeit gefördert. Gegenwärtig sind die Schreibarbeiten für die Bücher dieser drei Länder im Gange, sie Dürften bis Mitte 1936 abgeschlossen sein. Für Kärnten und Salzburg haben die Landesevidenzreferate das Material gesammelt und geordnet, so daß diese Heldenbücher abgeschlossen sind. Das Kärntner Buch mir rund 13.000 Namen beweist, daß dieses Land im Weltkrieg verhältnismäßig die größten Blutopfer gebracht hat. Besondere Schwierigkeiten waren bei der Anlage des Heldenbuches von Wien zu überwinden, da amtliche Quellen hier nicht zur Verfügung standen und die freiwilligen Anmeldungen von seiten der Angehörigen von Gefallenen trotz der Aktion „Wehrmann in Eisen“ und der Aufforderung, die Anmeldungen bei den Polizeikommissariaten und den Bezirksbehörden der Stadt vorzunehmen, sehr spärlich einliefen. Die Traditionstruppenkörper der Wiener Regimenter haben sich daher zum großen Teil in den Dienst der Heldenehrung gestellt, so daß heute die Wiener Helden der Infanterieregimenter Nr. 4 und 84, des Feldjägerbataillons Nr. 21, Der Schützenregimenter Nr. 1 und Nr. 24, des Wiener Landsturms und der Wiener Artillerieformationen bereits in das Heldenbuch eingetragen werden konnten. Überdies enthält das Wiener Heldenbuch ein alphabetisches Verzeichnis jener gefallenen Wiener, die bei andern Truppenkörpern gedient haben und während des Weltkrieges für ihre Heimat gestorben sind. Trotz aller Mühe sind bisher nur etwa 15.000 Namen im Wiener Heldenbuch verzeichnet, so daß die weitere Mitarbeit der Bevölkerung und der Traditionsverbände dringend erwünscht ist, um möglichst viele Namen der Nachwelt zu erhalten. Die Heldenbücher des Burgenlandes und von Vorarlberg fehlen noch.
In jedem Band der bereits aufliegenden Heldenbücher wird täglich eine Seite umgeschlagen und für die dort verzeichneten Helden die heilige Messe in der Krypta aufgeopfert; auf diese Weise wird die dankbare Verbundenheit der Lebenden mit den Toten wohl auf das sinnvollste zum Ausdruck gebracht. Auszüge aus dem Heldenbuch für Angehörige oder für Gemeinden sind beim Denkmalaufseher gegen geringes Entgelt zu bestellen; die Kosten für die Anlage der Heldenbücher übersteigen bereits 12.500 S; sie sollten durch freiwillige Beiträge und Spenden gedeckt werden.“
Gedenkblätter für 150.000 tote Helden
Salzburger Chronik für Stadt und Land, 29. Februar 1936
Abbildung 11: Zeitungsbericht „Gedenkblätter für 150.000 tote Helden“[16]
„In einem Nebenraum der Krypta des Wiener Heldendenkmals gelangten dieser Tage in Großen Stilvollen Schränken die fertiggestellten österreichischen „Heldenbücher“ zur Aufbewahrung, in denen nach Ländern und Gemeinden geordnet, die Namen aller während des Weltkrieges gefallenen und gestorbenen Soldaten der k. u. k. Armee eingetragen sind. Es ist wahrlich keine leichte Arbeit gewesen, diese Heldenbücher anzulegen und bei der mangelhaften beziehungsweise zum größten Teil in Verlust geratenen Evidenzführung die Namen von mehr als 150.000 im Weltkrieg gefallenen österreichischen Kriegern wieder zu verzeichnen. Aber trotz aller Schwierigkeiten ist die im April 1934 begonnene Arbeit rüstig fortgeführt und fast vollendet.
Die Anlage der Heldenbücher gestaltete sich um so schwieriger, als ursprünglich nur das Land Tirol die Namen seiner Helden gesammelt hatte, während in den anderen Bundesländern und in der Bundeshauptstadt selbst die Erhebungen erst begonnen werden mußten. Dank der Unterstützung durch die Landeshauptmannschaften konnten die Angaben für die Heldenbücher von Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark zum Großteil von den Heimatgemeinden beschafft werden, wobei sich auch einzelne Kameradschaftsverbände um diese mühsame Arbeit große Verdienste erwarben. Für Kärnten und Salzburg waren es wieder die Landes-Evidenzreferate, die das Material zusammentrugen und in unverdrossenem Arbeitseifer ihre Heldenbücher zusammenstellten.
Besondere Schwierigkeiten waren aber bei der Anlage des Wiener Heldenbuches zu verzeichnen, da hier keinerlei amtliche Quellen zur Verfügung standen und die freiwilligen Anmeldungen seitens der Angehörigen von Gefallenen trotz wiederholter amtlicher Aufforderung sehr spärlich einliefen. Darum haben die Traditionstruppenkörper der Wiener Regimenter sich in den Dienst dieser bleibenden Heldenehrung gestellt. Bisher konnten die toten Helden der Infanterieregimenter 4, 84, des Feldjägerbatillons 21, der Schützenregimenter 1, 24, des Wiener Landsturms und der Wiener Artillerieformationen in das Wiener Heldenbuch eingetragen werden. Im Wiener Heldenbuch wurden auch jene gefallenen Wiener eingetragen, die bei anderen Truppenkörpern gedient haben und während des Weltkrieges für ihre Heimat gestorben sind. So sind bereits 15.000 Namen von Wiener Weltkriegsopfern in den Heldenbüchern verzeichnet und es wird gelingen, die Namen sämtlicher Wiener Kriegsopfer in dieser pietätvollen Art der Nachwelt zu erhalten.
In den bereits abgeschlossenen Heldenbüchern sind rund neunzig Prozent der österreichischen Weltkriegsoper verzeichnet, es fehlen nunmehr nur noch die Bundesländer Vorarlberg und Burgenland, die aber auch bald vermerkt werden sollen. Es sind hiefür einige Kalligraphen am Werk, die die Namen jedes einzelnen Weltkriegsopfers samt den Personaldaten verzeichnen.“
Die Heldenbücher im Heldendenkmal
Neues Wiener Tagblatt, 3. März 1936
Abbildung 12: Zeitungsbericht „Die Heldenbücher im Heldendenkmal“[17]
„Im Seitenraum der Krypta des Heldendenkmals wurden in letzter Zeit neue Schaukästen für die dort aufbewahrten Heldenbücher aufgestellt; damit ist dieser Raum jener Bestimmung zugeführt worden, die bereits bei der Errichtung des Denkmals vorgesehen war: Die Namen der toten Helden des Weltkrieges zu verewigen. Die Vitrinen, aus dunkel gebeiztem Eichen holz hergestellt, erfüllen mit monumentaler Wirkung den Raum; ihrer Anordnung liegt die Kreuzform zugrunde; als Sinnbild des Heldentums krönt ein frischer Lorbeerkranz die Abteile, in welchen die Heldenbücher ruhen.
Bisher konnten mit Hilfe der Landes- und Bezirkshauptmannschaften, der Gemeinden, dann von Kameradschaftsverbänden und Traditionstruppenkörpern, die Heldenbücher von Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg und Tirol angelegt werden; jene von Kärnten, Salzburg und Tirol sin so weit abgeschlossen, daß wesentliche Ergänzungen nicht mehr erfolgen werden. Die zwei Heldenbücher von Niederösterreich stehen jetzt in Arbeit, ihnen werden jene von Oberösterreich und Steiermark folgen, für die bereits umfangreiche Vervollständigungen vorliegen. Das Heldenbuch von Wien erscheint wohl in dem Sinne abgeschlossen, daß die Toten der Wiener Hausregimenter, mit Ausnahme des Dragonerregiments Nr. 3, truppenkörperweise verzeichnet sind. Dagegen fehlen noch tausende Namen von solchen Wienern, die bei andern Regimentern gedient haben, darunter viele Reserveoffiziere. Diese Namen können nur durch Anmeldung seitens der Angehörigen erfaßt werden, und an alle Verwandten, Freunde und Kameraden der toten Helden ergeht neuerdings das dringende Ersuchen, diese Anmeldung entweder beim Heldendenkmal selbst oder bei einem Polizeikommissariat vorzunehmen. Das Heldenbuch für das Burgenland wird von der Landeshauptmannschaft in Eisenstadt selbst bearbeitet und dürfte in den nächsten Monaten aufgelegt werden; für Vorarlberg liegt noch kein Material vor.“
„Österreichs Heldenbücher. Die Arbeiten an Österreichs Heldenbüchern, die die Namen der Gefallenen auf dem Staatsgebiet des neuen Österreich länderweise verzeichnen, sind für Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol und Kärnten abgeschlossen. Es sind dabei von ungefähr 200.000 Mann, die auf dem heutigen Staatsgebiet im Krieg gefallen sind, schon rund 165.000 verzeichnet. Schwierigkeiten mach noch das Wiener Heldenbuch bezüglich jener Wiener, die nicht in den Hausregimentern dienten. In Burgenland und Vorarlberg werden die Heldenbücher von den Landesregierungen angelegt.“
Vom Österreichischen Heldendenkmal
Danzers Armee Zeitung, 1937
Abbildung 14: Zeitungsbericht Vom Österreichischen Heldendenkmal“[19]
„Das Österreichische Heldendenkmal in Wien wird mit 1. Jänner 1938 vom Bundesministerium für Landesverteidigung in militärische Verwaltung übernommen; die Regelung der beim Heldendenkmal abzuhaltenden Feiern obliegt in Hinkunft dem Platzkommando Wien, 1. Bez., Universitätsstraße 7, bei dem diese Veranstaltungen anzumelden sind. Die Abschlußarbeiten an den Heldenbüchern werden noch von der Vereinigung durchgeführt, weiterhin wird das Heeresministerium die Ergänzung dieser den Toten des Weltkrieges geweihten Bücher besorgen.
Am 20. Dezember 1937 fand die letzte Vollversammlung der „Vereinigung zur Errichtung eines Österreichischen Heldendenkmals in Wien“ statt. Die reinen Kosten für den Bau und die künstlerische Ausschmückung betragen 607.000 S, an Nebenauslagen für Kanzlei, Post, Telefonat und Regien sind in fast fünf Jahren 99.000 S aufgelaufen; für die Anlage der Heldenbücher wurden bisher 11.000 S netto aufgewendet (die Landeshauptmannschaft Burgenland hat ihr Heldenbuch dem Denkmal gespendet). Endlich haben die ursprünglich nicht vorgesehenen Kosten für die Führung des Denkmals seit September 1924, also die Ausgaben für den Aufseher, für den Betrieb und die Erhaltung, bis jetzt 11.000 S ausgemacht. Alle diese Auslagen von zusammen 728.000 S sind zur Gänze bezahlt, so daß die Vereinigung auch finanziell ihre Aufgabe erledigt hat.
Noch in Ausführung begriffen ist die Ausschmückung der Steinwände an den beiden Ehrentreppen durch acht Kriegerköpfe, von denen vier – deutsche Soldatenköpfe – bereits angebracht sind, während vier Köpfe, die von den Nationen der alten Monarchie einen Nord- und einen Südslawen, einen Magyaren und einen Italiener darstellen, derzeit noch bearbeitet werden. Die Kosten dieser acht Köpfe werden aus den Mitteln der Kunstförderung seitens des Bundesministeriums für Unterreicht und der Gemeinde Wien bestritten.
Die Errichtung des Heldendenkmals hat einigen österreichischen Künstlern und einer Reihe von Berufen in schwerer Zeit Arbeit und Verdienst geschaffen und so neben ethischen Werten auch wirtschaftliche Vorteile gefördert.
Die Anlage der Heldenbücher für Wien und die Bundesländer ist nach vier Jahren schwieriger Arbeit dank der Unterstützung durch Behörden (besonders die Landesevidenzreferate von Kärnten und Salzburg seien angeführt) und durch Traditions- wie Kameradschaftsverbände so weit gediehen, daß von den auf 180.000 Kriegstote geschätzten Verlusten des heutigen Österreich etwa 160.000 Namen – meist mit persönlichen Angaben – verzeichnet werden konnten. Das Heldenbuch von Wien wird derzeit reingeschrieben, für das Vorarlberger Heldenbuch wurden die Unterlagen seitens der Landeshauptmannschaft endlich in Aussicht gestellt, das burgenländische Heldenbuch wurde als Spende des Landes vor einigen Tagen in der Krypta hinterlegt. Bis Frühjahr 1938 dürften alle Heldenbücher in der Krypta aufliegen: ihre weitere Ergänzung wird wohl nur mehr durch Anmeldungen seitens der Angehörigen oder Kameraden von Gefallenen möglich sein und wird dann durch das Heeresmuseum veranlasst werden.
Mit Stimmeneinheit wurde die Übergabe des Heldendenkmals an das Bundesministerium für Landesverteidigung und die Auflösung der Vereinigung mir 1. Jänner 19138 beschlossen.“
Das Heldenbuch von Vorarlberg
Österreichische Wehrzeitung, 4. März 1938
Abbildung 15: Zeitungsbericht „Das Heldenbuch von Vorarlberg“[20]
„wurde dieser Tage in der Krypta des Österreichischen Heldendenkmals hinterlegt; damit sind nun die Heldenbücher aller Bundesländer in den Schaukästen vorhanden.
Das Vorarlberger Buch umfasst rund 5000 Namen samt Personaldaten von Kriegstoten aus den 98 Ortsgemeinden dieses Landes. Somit beträgt der Totenverlust von Vorarlberg – unter Berücksichtigung seiner Einwohnerzahl von damals 145.000 – etwa 34 Tote von je 1000 der Heimatsbevölkerung, und wird in Österreich nur von den Verlusten des Landes Kärnten übertroffen. Der Durchschnitt für die gesamte Monarchie beträgt 23,9 Tote von 1000 der Bevölkerung.
Die Vorarlberger haben der Hauptsache nach bei den Tiroler Kaiserjägern, den Kaiserschützen, dann bei den Tiroler Landsturm-Infanterieregimentern Nr. 1 und 2, und bei einzelnen Landsturmbataillonen gedient. Mehr als die Hälfte aller Toten entfällt auf das erste Kriegsjahr vom August 1914 bis zum Sommer 1915, da die Tiroler Truppenkörper auf den italienischen Kriegsschauplatz verlegt wurden, wo sie noch dreieinhalb Jahre lang bei allen entscheidenden Kämpfen voll eingesetzt waren. Ein vollgültiger Beweis, wie schwer gerade so hervorragend tapfere Truppen durch den Mangel an Kriegserfahrung betroffen werden!
Das Heldenbuch beruht zum Teil auf direkten Anmeldungen von Angehörigen, Kameraden und Gemeinden bei der Denkmalvereinigung, der Hauptsache nach auf den mit vorbildlicher Genauigkeit durchgeführten Erhebungen im Auftrage der Landeshauptmannschaft, die erst im Dezember 1937 abgeschlossen waren. Diese Nachforschungen lassen auch erkennen, wie viele brave Kaiserjäger, Kaiserschützen und Landstürmer aus Vorarlberg in den russischen Kriegsgefangenenlagern an Flecktyphus und anderen Infektionskrankheiten zugrunde gegangen sind.
Das Wiener Heldenbuch wird bis zum Sommer 1838 gleichfalls fertiggestellt und damit die ganze vierjährige Arbeit im Dienste pietätvollen Gedenkens beendet sein.“
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Jahrbuch 2025 der Österreichischen Gesellschaft für Familien- und regionalgeschichtliche Forschung (ÖFR) erstveröffentlicht und für diesen Blogbeitrag überarbeitet.
Mein Beitrag beschreibt die Eröffnung der Kriegsausstellung im Wiener Prater am 1. Juli 1916 und den Ausstellungsbesuch eines Buben mit seinem Onkel. Fakt und Fiktion werden vermischt. Ich möchte einen Einblick in die Psyche eines Teiles der damaligen Bevölkerung geben. Die Geschichte ist frei erfunden, sie könnte sich aber so zugetragen haben. Frau Mutter, Herr Vater, Onkel Rudi und der kleine Franzi haben nie gelebt (Bemerkung: zu dieser Zeit waren ältere Verwandte Respektspersonen, welche in der Höflichkeitsform mit ‚Sie‘ bzw. Frau Mutter, Herr Vater usw. angesprochen wurden). Alle anderen Personen, die Kriegsausstellung, die Ansprachen und andere Geschehnisse wurden sorgfältig recherchiert und sind Fakt. Die Transkription der Zeitungsartikel soll die Denkweise eines Teils der Bevölkerung zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und die Wichtigkeit bestimmter Themen zeigen.
Der kleine Franzi ist heute ganz aufgeregt. Am Vormittag wird seine Firmung durch Kardinal-Fürsterzbischof Friedrich Gustav Kardinal Piffl[1] stattfinden. Es werden aber nur seine Mutter und der Firmpate, Onkel Rudi, daran teilnehmen. Der Vater des kleinen Franzi ist Arzt und im Krieg irgendwo im Osten in einem Lazarett tätig. Franzi hat den Herrn Vater seit zehn Monaten nicht mehr gesehen, aber er schreibt regelmässig Briefe an ihn. Franzi ist mächtig stolz auf seinen Herrn Vater, denn dieser rettet Leben und schaut, dass die Verwundeten wieder gesund werden, um dann wieder für Gott, Kaiser und Vaterland[2] kämpfen zu können. Onkel Rudi hat sich für den kleinen Franzi ein ganz besonderes Geschenk zur Firmung einfallen lassen. Es ist nicht die übliche Uhr, sondern ein Besuch der Kriegsausstellung im Prater. Der kleine Franzi freut sich sehr. Endlich sieht er, wie es im Krieg wirklich ist und wie ein Lazarett aussieht, in dem Herr Vater arbeitet. Onkel Rudi ist auch froh. Eine Uhr ist viel teurer als der Eintritt in die Kriegsausstellung.
Die Leistungsschau findet im Prater im Kaisergarten und der Gallitzinwiese auf einer Fläche von 50.000 m2 statt. Ursprünglich hätte sie im Mai eröffnet werden sollen, aufgrund von Bauverzögerungen wurde es Anfang Juli. Zur Unterhaltung gibt es ein Kino mit 760 Sitzplätzen und ein Theater für 1.360 Besucher. Eine Kriegsinvalidenkapelle spielt schmissige Stücke. Durch Gewerbe und Industrie wird ein Einblick in die Kriegsführung zur Belehrung der Bevölkerung gegeben.[3] Im Ausstellungskatalog steht: „Die Bevölkerung wird sich ein Bild über alles das machen, was mit dem Kriege in innigem Zusammenhang steht, und wenn überhaupt die Opferwilligkeit der Bevölkerung noch steigerungsfähig ist, ermutigt werden, bis zum Ende auszuharren. Sie soll auch das Bewusstsein geben, dass für die Angehörigen der Armee in jeder Richtung gesorgt wird, dass namentlich die Verwundetenpflege gewissenhaft gehandhabt wird, dass es niemand an der nötigen Fürsorge fehlen lässt, und diejenigen, die ihre nächsten Verwandten und Freunde im Felde haben, werden die Beruhigung mit sich nach Hause nehmen, dass hilfsbereite Kräfte sich ihrer annehmen, wenn sie deren bedürfen“[4]
Einige Tage vor dem Besuch der Kriegsausstellung hat Onkel Rudi folgende Beiträge in der Neuen Freien Presse gelesen:
„Die Eröffnung der Kriegsausstellung im Kaisergarten
Wien, 1. Juli
Heute vormittag um 11 Uhr wurde die Kriegsausstellung im Kaisergarten durch Erzherzog Franz Salvator in Stellvertretung des Kaisers eröffnet. Zur Eröffnung hatten sich eingefunden: der Ehrenpräsident der Ausstellung Kriegsminister Generaloberst Freiherr v. Krobatin, Landesverteidigungsminister Generaloberst Freiherr v. Georgi, Unterrichtsminister Dr. Ritter v. Hussarek, Arbeitsminister Dr. Trnka und Finanzminister Dr. v. Leth, der türkische Botschafter Hussein Hilmi Pascha, der bulgarische Gesandte Dr. Toschew mit Legationsrat Dr. Stojanow, Militärattaché Oberstleutnant Tantilow, Generalkonsul Stiaßny, der bayerische Gesandte Baron Tucher, der chinesische Gesandte Shen-Soeu-Ling, Kardinal-Fürsterzbischof Piffl, Feldbischof Bjelik, Feldzeugmeister Benda, Feldzeugmeister v. Czeipek, G. d. I. Vizepräsident vom Roten Kreuz v. Zednik, G. d. I. Tyszlar, Militärkommandant G. d. I. v. Kirchbach, der Vorstand des Kriegsfürsorgeamtes FML. v. Loebl mit Gemahlin, Vorstand des Militär-geographischen Instituts FZM. Frank, FML. v. Bellmont mit Gemahlin, FML. Paul Freiherr v. Wernhardt als Vertreter des Deutschen Ritterordens, FML. Reinold, FML. Glücksmann, Generalstabsarzt und Chef des militär-ärztlichen Offizierskorps Ritter v. Töply, Generalstabsarzt Szilagyi, Chef des honvedärztlichen Offizierskorps, Generaloberstabsarzt Thurnwald, Chef des landwehrärztlichen Offizierskorps, Direktor des Kriegsarchivs GM. Hoen, GM. Fürst Starhemberg, GM. Vukelic, Stadtkommandant, GM. Ritter v. Mossig.
Ferner waren erschienen von der deutschen Botschaft Legationsrat v. Bethmann Hollweg, Prinz Erbach-Schönberg, Marineattache v. Freyberg, Prinz Reuß und Hauptmann von dem Hagen, der deutsche Konsul D. v. Vivenot, der Präsident des Gemeinsamen Obersten Rechnungshofes Freiherr v. Pener mit Gemahlin, der Präsident des Obersten Rechnungshofes Geheimer Rat Freiherr v. Beck mit Gemahlin, Hofwirtschaftsdirektor Hofrat v. Prileszky, Polizeipräsident Baron Gorup, Oberpolizeirat Dr. Pammer, Gouverneur der Postsparkassa Freiherr v. Schuster-Bonnott, die Hofräte Professor Dr. Finger, Stukart, Haas, Dr. Kobler und Illing.
Weiter waren gekommen: Minister a. d. Freiherr v. Engel, Fürst-Großprior des Malteserordens Graf Hardett, Fürst Esterhazy, Generalstabsart Pick, Vorstand des Kriegshilfsbureaus Hofrat Dr. Prinz Liechtenstein, Präsident der Zentralschulbücherverlage Dr. Heinz, der Präsident des Hilfsvereines vom Roten Kreuze für Niederösterreich Graf Thurn-Valsassina, Oberleutnant Graf Alexander Kolowrat, Graf Salm, die Oberstabsärzte Dr. Spitzy und Dr. Wildner, die Regierungsräte Fleischner und Kupka, der gewesene Petersburger Generalkonsul Balsin, der persische Generalkonsul Chilaiditti, Artillerieoberingenieur Direktor des Heeresmuseums John, die kaiserlichen Räte Sachsel mit Gemahlin und Vogel, Vorstandsmitglied des Witwen- und Waisenfonds Oberleutnant Spitzer, Major A. Fritsch, militärischer Leiter mehrerer Fabriken, Kommerzialrat Heinrich Grimm, Zentraldirektor Senitza, Direktor Rudolf Sarlos, die Landesausschüsse Bielohlawek und Sturm, die Gemeinderäte Dr. v. Dorn, Schäffer und Eder, Oberbaurat v. Emperger, Vizepräsident des Roten Kreuzes v. Boschan, Sanitätschef des Roten Kreuzes Dr. Lamberger, Moritz Ritter v. Guttmann, Bildhauer Professor Kautzsch, Komponist Karl Weinberger mit Gemahlin, Bildhauerin Lona, die Maler Professor Goltz, Adams, Prinz und zahlreiche andere Maler, v. Zamboni, Dr. Ignaz Bindermann, Vizepräsidentin der Kriegspatenschaft Frau Frankl-Scheiber mit Tochter, Frau Generalkonsul Medinger mit den Damen Lederer und Thonet-Wurm von der dänischen Deckenaktion, Frau Hauptmann Rosa Böhm usw.
Während des Rundganges wurde vom Erzherzog die Benagelung des „U-Bootes in Eisen“ vorgenommen. Die eindrucksvolle Ansprache an den Erzherzog hielt Konteradmiral Schanzer.
Beim Haupttore der Ausstellung wurde der Vertreter des Kaisers, Erzherzog Franz Salvator, vom Ehrenpräsidenten der Kriegsausstellung Kriegsminister Generaloberst Freiherrn v. Krobathin unter den Klängen der Volkshymne empfangen und begrüßt. Der Erzherzog wurde sodann in die Ehrenhalle geleitet, woselbst der Kriegsminister zunächst den Präsidenten des Arbeitsausschusses, Herrenhausmitglied Hofrat Ritter v. Vukovic, vorstellt, der dann die Mitglieder des Arbeitsausschusses, und zwar: die Herren Vizepräsidenten Truchseß v. Hoefft und Direktor Dr. Domenego, den Direktor der Adriatischen Bank Matthäus Herceg sowie den Großindustriellen Rudolf Ritter v. Kraßl, die militärischen Beiräte Artillerie-Oberingenieur Dr. Wilhelm John, Direktor des Heeresmuseums, Major Regierungsrat Oskar Weis, Hauptmann Eugen Grasser und Korvettenkapitän Plachuota, ferner den Chefarchitekten Professor Karl Witzmann, den ständigen Beirat kaiserlichen Rat S. Lehr, Kanzleidirektor Julius Kofler sowie Direktor S. Reich, welch letzterer als Konsulent für alle die ungarischen Aussteller betreffenden Belange fungierte. Als Vertreter der Presse wurden der Obmann des Preßkomitees Chefredakteur Wilhelm Singer und der Preßleiter der Ausstellung Max Forst dem Erzherzog vorgestellt.
Ansprache des Hofrates v. Vukovic
Hofrat v. Vukovic hielt hierauf eine Ansprache, in der er sagt:
Mit größter Begeisterung und tief empfundener Dankbarkeit begrüßen wir das Erscheinen Eurer k.u.k. Hoheit als den erlauchten Vertreter Sr. k.u.k. Apostolischen Majestät, unseres geliebten und innigst verehrten Kaisers und Königs zur Eröffnung der Kriegsausstellung Wien 1916, eines leuchtenden Wahrzeichens opferfreudiger Tätigkeit während des Krieges.
Der hochherzige Entschluß Sr. k.u.k. Apostolischen Majestät, sich bei dieser Gelegenheit durch Eure k.u.k. Hoheit allergnädigst vertreten zu lassen, verleiht dem patriotischen Werke die größte Weihe und dokumentiert gleichzeitig, welch hohe Bedeutung unser oberster Kriegsherr der ungeheuren Arbeitsleistung beimißt, die Heer und Volk aufbieten mußten und noch aufbieten müssen, um den gewaltigen Ansturm auf die Integrität unserer Monarchie abzuwehren.
Diese Fülle von Arbeitsleistung zu versinnbildlichen und der breiten Öffentlichkeit vor Augen zu führen sowie zur Verherrlichung der glänzenden Waffenerfolge unserer glorreichen Truppen und ihrer treuen Verbündeten beizutragen, hat sich die zur Eröffnung gelangende Kriegsausstellung zu ihrer Hauptaufgabe gestellt.
In diesem Sinne soll die Ausstellung dem Ernste der gegenwärtigen Zeit entsprechend, vorwiegend eine Stätte der Belehrung und nicht des Vergnügens werden.
Während die bisherigen Ausstellungen der Anbahnung wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen galten, ist dieser Gedanke bei unserer Kriegsausstellung in die zweite Linie gerückt. Sie strebt vornehmlich die Belehrung der Bevölkerung an, die einen Einblick in die Art unserer Kriegführung erhalten und der gezeigt werden soll, was die Kriegsverwaltung und die mit dem Kriege zusammenhängenden Industrien und Gewerbe, was die Opferwilligkeit und die Begeisterung der Bevölkerung geleistet haben. Dadurch daß die kriegerischen Ereignisse, die ganz Europa in ihren Wirbel hineinzogen, die volkswirtschaftlichen Verhältnisse aller Staaten bunt durcheinander würfelten, ist an die Kriegsverwaltung bei der Zusammenfassung aller in der Monarchie vorhandenen Kräfte für die Kriegszwecke eine ungeheure Anforderung gestellt worden, der sie aber in vollkommen entsprechender Weise gerecht wurde. Industrie und Gewerbe mußten ihre Betriebe fast über Nacht den neuen Bedingungen anpassen und auch alle wirtschaftlichen und geistigen Kräfte mußten zu einem bestimmten erhabenen Zwecke, zu einem machtvollen Ganzen zusammengefaßt werden. Die Summe dieser vielfältigen Arbeit hat dann die überwältigenden Erfolge an der Front vorbereitet, herrliche Siege gezeitigt und den festen, entschlossenen Willen im Volke ausgelöst, bis zum siegreichen Ende durchzuhalten.
Alle diese hervorragenden Taten, die auf den verschiedenen Gebieten des wirtschaftlichen, militärischen, humanitären und geistigen Lebens entwickelt wurden und zu so ungeahnten Leistungen sich verdichteten, finden ihren konkreten Ausdruck in der Summe der Objekte, welche – insoweit das militärische Geheimnis es nicht hinderte – in der Kriegsausstellung vereinigt sind.
Eine Auswahl von Trophäen und Beutestücken gibt von den vielen Heldentaten unserer Armee und Marine und ihrer erfolgreichen Verbündeten Deutschland, Bulgarien und Türkei, die auch in der Kriegsausstellung treue Bundesgenossenschaft halten, beredtes Zeugnis.
Die Heeresverwaltung, die als Hauptausstellerin fungiert, hat hier eine willkommene Gelegenheit gefunden, in großzügiger Weise zu der Bevölkerung zu sprechen und ihr einen Begriff von den überwältigenden Leistungen der wirtschaftlichen, militärischen und organisatorischen Faktoren zu geben, denen die fortgesetzt steigende Schlagkraft Österreich-Ungarns zu danken ist.
Die Kriegsausstellung Wien 1916, welcher das große Glück zuteil wird, von Eurer k.u.k. Hoheit in Vertretung Sr. k.u.k. Apostolischen Majestät eröffnet zu werden, wird unter diesen Auspizien sicher ihren hohen Zweck erfüllen, überzeugend und belehrend zu wirken und den Fürsorgezwecken, deren Förderung den Veranstaltern der Ausstellung als Endziel vor Augen schwebt, zum Vorteil gereichen.
Ich bitte Eure k.u.k. Hoheit ehrerbietigst, die Kriegsausstellung Wien 1916 gnädigst als eröffnet erklären zu wollen.
Eröffnungsansprache des Erzherzogs Franz Salvator
Erzherzog Franz Salvator erwiderte: „Seine k.u.k. Apostolische Majestät haben mich mit allerhöchstseiner Vertretung bei der feierlichen Eröffnung der Kriegsausstellung in Wien 1916 Allergnädigst zu betrauen geruht.
Diesem Allerhöchsten Befehle Folge leistend, spreche ich im Allerhöchsten Namen Seiner k.u.k. Apostolischen Majestät dem Arbeitsausschusse, der Heeresverwaltung als Hauptausstellerin sowie allen jenen Funktionären der eigenen Monarchie und der mit uns treu verbündeten Staaten, unter deren unermüdlicher Leitung und Mitarbeit ein Werk von hoher ethischer Bedeutung für alle Bevölkerungsschichten der Monarchie erstanden ist, das nicht nur dem Zwecke des Einblickes in die Art unserer Kriegsführung, sondern auch der Kriegsfürsorge dienen soll, welche letztere Aktion Seiner k.u.k. Apostolischen Majestät besonders am Herzen liegt, den Allerhöchsten Dank aus.
Ich wünsche den Veranstaltern als verdienten Lohn volles Gelingen und Gedeihen und erkläre hiemit im Namen Seiner Majestät des Kaisers und Königs die Kriegsausstellung für eröffnet.“
Sodann trat der Erzherzog unter Führung des Ehrenpräsidenten und der Mitglieder des Arbeitsausschusses den Rundgang durch die Ausstellung an.
* * *
Dem Festkomitee der Ausstellung gehören an als Obmann: kaiserlicher Rat Siegfried Franz Weil; als Mitglieder: kaiserlicher Rat Dr. Moritz v. Hohelangen, Oberbaurat Dr. Fritz Edler v. Emperger, kaiserlicher Rat Ingenieur Hugo Fuchs, Doktor H. Th. Hillischer, Hofzahnarzt, kaiserlicher Rat Artur Ritter v. Kink, S. Königstein, Präsident des Telephonvereines, Gustav Prinz, Juwelier, Zivilingenieur Ludwig Paul Roth, Theodor Sachsel, Oberinspektor des Eisenbahnministeriums, Dozent Paul Schmidt, kaiserlicher Rat Friedrich Vogel, Genossenschaftsvorsteher, Professor Julius Ziegler.
* * *
Im Gebäude für Kriegsliteratur und Kriegskunst finden wir als erfreulich zahlreiche Beweise regen geistigen Lebens in der Front eine stattliche Reihe von Kriegszeitungen zur Schau gestellt, die das starke Bedürfnis nach Lesestoff bekunden. Als eine der ältesten und wohl weitestverbreiteten repräsentiert sich äußerlich anspruchslos, aber reich an gediegenem Inhalt die im Auftrage des Präsidiums des Kriegsministeriums herausgegebene, in deutscher und sechs Landessprachen erscheinende „Feldzeitung“ (Streffleurs Militärblatt), als deren Schriftleiter Hauptmann Nagele des Kriegsministeriums zeichnet. Der unter Mitwirkung namhafter Schriftsteller und Gelehrter aus allen Wissensgebieten sorgsam zusammengetragene Stoff kommt dem Bildungsbestreben unserer Offiziere und Soldaten entgegen und wir sehen damit an einem neuen Beispiel Heeresleitung und Heeresverwaltung als werktätige Förderer geistiger und kultureller Interessen unseres Volkes in Waffen.“[5]
Wir haben im Abendblatte eingehend über die Eröffnung der Kriegsausstellung berichtet. Erzherzog Franz Salvator, der bei dem Eröffnungsakt als Vertreter des Kaisers fungierte, unterzog die Ausstellung einer eingehenden Besichtigung und äußerte sich zu den Veranstaltern in Worten uneingeschränkten Lobes über die Mannigfaltigkeit und die Gediegenheit des Gebotenen.
Der Rundgang des Erzherzogs
Geführt vom Kriegsminister Generaloberst Freiherrn v. Krobatin, vom Präsidenten des Arbeitsausschusses Herrenhausmitglied v. Vukovic und den Mitgliedern des Ausschusses Rudolf Ritter v. Kraßl v. Traissenegg und Professor Witzmann betrat der Erzherzog die Trophäenhalle. Hier meldete sich der Direktor des Heeresmuseums Artillerie-Oberingenieur Dr. Wilhelm John und begleitete den Erzherzog bei dem Rundgang.
Der Erzherzog interessierte sich ungemein für die russischen Geschütze und Gewehre. Sein besonderes Interesse erregten die Thronsessel des Königs Peter aus dem Konak und dessen Rednerpult aus der Stupschtina. Als der Artillerie-Oberingenieur Dr. John dem Erzherzog zwei improvisierte russische Minenwerfer zeigte, die aus Schrapnellhülsen hergestellt und in ausgehölte (Bemerkung: Schreibweise wie im Original) Baumstämme eingelassen, monatelang am Dunajec in Verwendung standen, sagte der Erzherzog: „Mein Sohn, der auch im Felde ist, hat mir von einem ganz ähnlichen Fall geschrieben.“
Dann begab sich der Erzherzog in den nächsten Pavillon, der die deutschen Trophäen beherbergt. Dort übernahm Oberleutnant Schulze, der seitens des deutschen Generalstabes dem Kriegsministerium zugeteilt ist, die Führung. Nun wurde die Ausstellung der siebenten Abteilung des Kriegsministeriums besichtigt, wobei Oberstleutnant Wenzel und Rittmeister i. d. R. Friedrich Ritter v. Kraßl die Führung übernahmen. Der Erzherzog nahm hier zunächst die ausgestellten Objekte der Enzesfelder Munitionsfabrik in Augenschein, wobei ihm der Generaldirektor Gustav Tomala und Hauptmann Ritter v. Henriquez vorgestellt wurden, dann die Ausstellung der Eisenwerke Resicza, deren Generaldirektor Eberhard ebenfalls vom Erzherzog angesprochen wurde. Großes Interesse brachte der Erzherzog den Bildern des ihm vorgestellten Malers Coltz entgegen, welche die Wirkung des 30.5-Mörsers zum Ausdrucke bringen.
Im anschließenden Raume besichtigte der Erzherzog die von den Munitionsfabriken Wöllersorf und der Gewehrfabrik in Steyr ausgestellten Objekte. Außer für die verschiedenen Arten Munition, die hier ausgestellt werden, interessierte sich der Erzherzog insbesonders für die Ausstellung der Kampfmittel unserer Gegner, wobei die berüchtigten serbischen Handgranaten, System Kragujevac, seine besondere Aufmerksamkeit erregten. Längere Zeit verweilte der Erzherzog bei der Patronenfüllmaschine (System Hauptmann Henriquez), die in einer Stunde 10.000 Patronen herzustellen vermag.
Von dort begab sich der Erzherzog zu der Ausstellung der österreichischen Industriewerke Warchalowsky, Eißler & Co. und zu der Ausstellungsabteilung für Explosivstoffwesen.
Im Pavillon für Pionierwesen, woselbst FML. Reinold die nötigen Aufkärungen erteilte, interessierte sich der Erzherzog besonders für die dort zur Veranschaulichung gebrachte Mitwirkung der Pioniertruppen bei der Eroberung Belgrads. In der Ausstellung des Militärgeographischen Insituts äußerte sich der Erzherzog gegenüber den ihn begleitenden Kommandanten des Militärgeographischen Instituts G. d. I. v. Frank und technischen Oberrat Pichler: „Sie haben jetzt viel Arbeit. Es ist nur zu bedauern, daß Sie die Leistungen Ihres Instituts, die so streng reservat sind, nicht ausstellen können.“ Auf dem weiteren Rundgang gelangte nun der Erzherzog mit seinem Gefolge in den Pavillon der Kriegsfürsorge, woselbst ihn FML. v. Löbl empfing. Der Erzherzog äußerte seine Überraschung über die glänzenden Resultate, welche die Sammlungen des Kriegsfürsorgeamtes erzielt haben und die tabellarisch in genauester Übersichtlichkeit dargestellt sind. Er bewunderte sodann die ausgestellten Arbeiten der Medailleurkünstler sowie die Ausstellung der Aktion für dänische Decken, woselbst Frau Generalkonsul v. Medinger, Frau Thonet und Frau v. Lederer vorgestellt wurden. Bei der Ausstellung des Schwarz-gelben Kreuzes sprach der Erzherzog mit dem Leiter Redakteur Siegfried Löwy und bemerkte, diese Aktion sei ungeheuer populär und habe große Erfolge erzielt. „Wie ist der gegenwärtige Stand Ihrer Aktion?“ fragte der Erzherzog, worauf Redakteur Löwy erwiderte: „Wir haben durch Spenden zwei Millionen für die Freitischkarten und für die Erzeugnisse mit dem Zeichen des Schwarz-gelben Kreuzes 1,000.000 K. eingenommen.“
Im Pavillon des Generalgouvernements Lublin stellten sich dem Erzherzog der gewesene Generalgouverneur von Lublin Statthalter von Galizien FML. v. Diller, Hauptmann Rost als Vertreter des Generalgouvernements, ferner die Hauptleute Sucher und Kürner vor. Der Erzherzog interessierte sich sowohl für die tabellarischen Darstellungen als auch die zur Ausstellung gebrachten Produkte der Bergwerksbetriebe in hohem Maße und erbat sich wiederholt von den ihn begleitenden Offizieren detaillierte Auskünfte über die ausgestellten Objekte.
Im Pavillon für Heeresausrüstung übernahm Oberleutnant Professor Havliczek die Führung. Der Erzherzog besichtigte die Exposition auf das genaueste und äußerte sich in lobender Weise über die Anordnung. Oberleutnant Professor Dr. Richter, der Erfinder einer neuen Aufbereitungsmethode für Nesselfasern, erteilte dem Erzherzog über dessen Wunsch einige Aufklärungen über das neue System.
Im Pavillon des Landes Niederösterreich empfing Landesausschuß Bielohlawek und begrüßte als Vertreter des Landesausschusses den Erzherzog. Der Erzherzog besichtigte die Ausstellung der landwirtschaftlichen Abteilung und nahm mit Interesse die Mitteilung entgegen, daß der Landesausschuß bereits acht Schulen für Kriegsinvalide etabliert habe.
Das nächste Objekt, das der Erzherzog einer eingehenden Besichtigung unterzog, war der Pavillon der Marine, woselbst ihn Konteradmiral Schanzer und Linienschiffsleutnant Leinweber empfingen. Konteradmiral Schanzer geleitete den Erzherzog zu dem von Herrn v. Krupp-Bohlen v. Halbach gestifteten, zur Benagelung für Kriegsfürsorgezwecke bestimmten U-Boot-Modell und bat den Erzherzog in einer Rede, die Benagelungsaktion einzuleiten. Erzherzog Franz Salvator erwiderte: „Ich schlage hiemit den ersten Nagel im Namen Sr. Majestät des Kaisers in dies U-Boot-Modell und wünsche der Aktion, daß sie ihren Zweck voll und im reichsten Maße erfülle.“ Der Erzherzog unterzog sodann die Marineausstellung einer eingehenden Besichtigung und bekundete besonderes Interesse für das Modell des Flaggschiffes „Tegetthoff“ sowie für den im Mittelpunkte des Saales aufgestellten Kamin der „Helgoland“, wobei er bemerkte: „Na, der war ordentlich im Feuer!“ Sodann erkundigte er sich, ob das Torpedoboot 51, das von feindlichen Geschossen getroffen worden war, schwimmend geblieben sei, worauf Konteradmiral Schanzer erwiderte, daß es bereits nach sechs Wochen vollkommen repariert wieder in Dienst gestellt werden konnte.
Im Pavillon für Bauwesen erteilten Major Schmidt und Architekt Popovic dem Erzherzog Aufschlüsse über das interessante, zur Ausstellung gebrachte Material. Die Gruppe „Kriegsgräber“, die der Erzherzog bereits in Krakau eingehend besichtigt hatte, fand neuerdings seine Anerkennung und er bemerkte zu dem ihn begleitenden Hauptmann Rudolf Broch: „Obwohl ich über Ihre Ausstellung ganz orientiert bin, muß ich bekennen, daß sie mich von neuem in höchstem Maße interessiert hat.“
Besonderes Interesse bekundete der Erzherzog ferner für die bekannte Hilfsaktion der Frau Oberrechnungsrat Ricka Jelinek-Walz (Österreichische Rote-Kreuz-Hilfsaktion für die Kinder schwerverwundeter Soldaten in den Spitälern Wiens). Die Dame, die von dem Erzherzog angesprochen wurde, konnte mitteilen, daß bis jetzt über 20.000 arme Soldatenkinder beteilt worden sind.
Im Pavillon der Kunstausstellung des Kriegspressequartiers begrüßte der Vorstand des Kriegspressequartiers und Direktor des Kriegsarchivs Generalmajor Maximilian Ritter v. Hoen den Erzherzog und stellte sich ihm zur Führung in dieser Abteilung zur Verfügung. In diesem Pavillon hatte sich ein großer Teil der Maler und Künstler des Kriegspressequartiers eingefunden, die sich beim Rundgang des Erzherzogs den ihn begleitenden Persönlichkeiten anschlossen. Unter Führung des Generalmajors Ritter v. Hoen, der die nötigen Erläuterungen gab, besichtigte der Erzherzog zunächst die ausgestellten Bilder der Mitglieder des Kaiserhauses und dann die unserer verdientesten Generale und Korpskommandanten. Der Erzherzog drückte beim Abschied dem Generalmajor Ritter v. Hoen die Hand und erklärte: „Ich werde sehr bald wiederkommen und mir alle Bilder genau ansehen. Die Ausstellung des Kriegspressequartiers ist so schön, daß ich ihr einen eigenen Besuch abstatten muß.“
Von dort begab sich der Erzherzog auf den Festplatz, wo die Deutschmeisterkapelle, vom Kapellmeister Watzek dirigiert, die Volkshymne intonierte. Er passierte das Ausstellungsrestaurant, das Kino, in dem die Aufnahmen der Eröffnung der Kriegsausstellung noch nachmittags zur Vorführung gelangten, und begab sich sodann, am Bundestheater vorbei, zum Ausgang, wo Ritter v. Kraßl die Beendigung des Rundganges meldete. Der Erzherzog dankte diesem für die rasche und übersichtliche Führung und verabschiedete sich hierauf nach mehr als zweieinhalbstündigem Verweilen in der Ausstellung vom Präsidenten des Arbeitsausschusses Hofrat v. Vukovic mit den Worten: „Ich gratuliere dem Herrn Hofrat zur Inszenierung der Ausstellung, die ich sehr schön und ungemein interessant fand. Der „Abteilung im Felde“ werde ich demnächst einen eigenen Besuch widmen.“ Dann wandte sich der Erzherzog zum Kriegsminister Generaloberst Freiherrn v. Krobatin und gratulierte ihm ebenfalls als dem hervorragendsten Aussteller. Vom Obersthofmeister Baron Lederer begleitet, verließ der Erzherzog um halb 2 Uhr nachmittags, von der in der Ausstellungsstraße angesammelten Menge begrüßt, die Ausstellung.
Auch der Kriegsminister dankte namens des Kriegsministeriums dem Präsidenten des Arbeitsausschusses Hofrat v. Vukovic für die Mühe und Sorgfalt, mit der er diese Ausstellung, in der es so viel des Interessanten und Lehrreichen gebe, ins Leben gerufen habe.
Der erste Besuchstag
Um 2 Uhr nachmittags wurden die Kassen für den allgemeinen Besuch der Ausstellung eröffnet. Schon bei der Abfahrt des Erzherzogs hatten sich viele Hunderte Neugierige angesammelt, die ihm herzliche Ovationen bereiteten und auf den Einlaß warteten. In den Hallen der Ausstellung sowohl als auf den mit Blumen und Blattpflanzen geschmackvoll verzierten Plätzen und in der Avenue entwickelte sich bald ein lebhafter Korso. Die Ausstellung fand allseitig die größte Bewunderung, und die Pavillons waren von Besuchern dicht umlagert. Das Kino, in dem neben den neuesten Kriegsaufnahmen auch die Bilder von der Eröffnung der Kriegsausstellung mit dem Erzherzog vorgeführt wurden, fand starken Zuspruch. Auf dem Festplatz konzertierte eine von Kapellmeister Watzek für die Kriegsausstellung zusammengestellte Kapelle des Deutschmeisterregiments, außerdem die Regimentskapelle des 76. Infanterieregiments, und ein Orchester, das aus kriegsinvaliden Musikern besteht.
Die Tourniquets (Bemerkung: Drehkreuze) der Ausstellung passierten bis in die Abendstunden über 22.000 Besucher.
Ein ungemein interessantes Objekt ist der Musterbetrieb für Kleiderkonfektion für Militär und Zivil, den die vereinigten Kleiderexportfirmen F. W. Mautner und Renner & Band in dem Pavillon der Heeresverwaltung ausgestellt haben. Wir sehen hier in der anschaulichsten Weise die geradezu vorbildliche Tätigkeit der zu einem ungemein leistungsfähigen Zentralbetrieb vereinigten Firmen, deren großartig eingerichtete Fabrik in Wien, 7. Bezirk, Westbahnstraße 26, seit dem Kriegsbeginn für das Militärärar beschäftigt ist. Die Kleiderexportfirma F. W. Mautner (1. Bezirk, Heinrichsgasse 4) hat ihre Fabrik in Boskowitz, Mähren, und eine Filiale in Budapest (Balvany utcza 4) und besteht seit 1838, damals vom Großvater der jetzigen Besitzer Josef Mautner und Josef Eltbogen begründet. Auf gründlicher fachlicher Leitung und glänzender kaufmännischer Organisation aufgebaut, hat die Firma heute eine erste Stellung in ihrer Branche, die sie ihrem Chef, Herrn Josef Eltbogen, verdankt, welcher die Vereinigung mit der Firma Renner & Band schuf, um mit Kriegsbeginn eine große leistungsfähige Konsortialfirma zu begründen. Diese letztere Firma besteht seit 25 Jahren in Wien, 2. Bezirk, Untere Augartenstraße 4, und hat sich durch die Tüchtigkeit ihrer Chefs, der Herrn Leopold Renner und Leopold Band, ein wohlbegründetes Ansehen in allen Kreisen geschaffen. In dem ausgestellten Musterbetrieb ist zu erkennen, was kaufmännisches Genie, verbunden mit Großzügigkeit, im Interesse der Allgemeinheit zu leisten vermag, und Herr Josef Eltbogen, der geistige Schöpfer der so trefflichen Firmenvereinigung, darf auf den Erfolg seiner Gründung mit Recht stolz sein. Herr Eltbogen ist Ehrenmitglied des „Invalidendank“, für den er eine Lebensstifung gespendet hat und wurde heuer mit dem Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuz dekoriert.
Die Kleinindustrie in der großen Entwicklungsform der modernen Technik zeigt die ungemein geschmackvolle Exposition der Wiener Metallwaren-, Schnallen- und Maschinenfabrik vormals Ferdinand Schar, Wien (gegründet 1855) und Albert Hauer, Graz, (gegründet 1847), die im Pavillon des k.u.k. Kriegsministeriums, Abteilung III, untergebracht ist. Eine hübsche Idee des Direktors Albert Smolka war es, die Fabrikate aller Art zu einem effektvollen Wandtableau zu arrangieren, welches in hübscher Mosaikarbeit das neue gemeinsame Wappen Österreich-Ungarns darstellt, das jedem Beschauer wirksam auffällt. Auf den Schautischen finden wir andere Erzeugnisse der Firma, wie Kummeteisen (Bemerkung: Ring um den Pferdehals, -brust) für Train- und Artilleriebespannung, Trensen, Gebisse, Pferdestriegel, Karabiner in allen Größen und all die mannigfachen Dinge, die von der Heeresverwaltung gebraucht wurden und welche die Wiener Metallwarenfabrik mit ihren musterhaften Fabriksanlagen und Einrichtungen in der zufriedenstellendsten Weise liefern konnte. Die Fabrik stellt in ihrem Etablissement in Schwechat, das ein Areale von 100.000 Quadratmeter bedeckt und Wasser-, sowie reichliche motorische Kraft benützt, mit ihren 400 Arbeitern außer dem gewaltig großen Armeebedarf, der sämtliche Erzsorten für die Heeresausrüstung, wie Beschläge für Rucksäcke, Brotsäcke, Patrontaschen, Patrontornister, Spatenfutterale, Traggerüste, Feldflaschen, Beschläge für alle erdenklichen Riemen und Gurten, Zeltbeschläge u. v. a. umfaßt, auch noch Massenartikel für die zivile Industrie her, die sich der bewährtesten Anerkennung erfreuen. Die Leitung des technischen Betriebes liegt in den Händen des Ingenieurs Ferdinand Schar, während die Herren Otto und Albert Smolka sich in die Verwaltung und kommerzielle Direktion des angesehenen und groß angelegten Unternehmens teilen. Anläßlich der feierlichen Eröffnung wurde Direktor Albert Smolka durch eine Ansprache des Herrn Erzherzogs Franz Salvator ausgezeichnet.
Sehr hübsch präsentiert sich die eigenartige auch ausstellungstechnisch beachtenswerte Abteilung der Koh-i-nor-Werke, Waldes & Co., größte Druckknopffabriken der Welt, Wien, Prag-Wrschowitz, Dresden, Warschau, die den besonderen Beifall des Erzherzogs Franz Salvator fand.
Inmitten einer architektonisch überaus gelungenen Koje bringt auf einem Granatensockel das lebensgroße Standbild eines k.u.k. Zugsführers in bester Weise, die von Waldes & Co. erzeugten Heeresbedarfsartikel und, was besonders reizvoll ist, deren Benützung zur Veranschaulichung. Sinnreich sind die an der Ausrüstung befindlichen Waldes-Fabrikate rot umkreist und durch Schnüre mit den am Fuße der Figur kreisförmig angeordneten Kästen verbunden, die Massen der betreffenden Uniformstücke enthalten. An den Wänden zeigen Aufnahmen die Waldes-Munitionserzeugung, vervollständigt durch davorliegende Stücke des Werdeganges der Granaten, Schrapnells, Zünder, Sprengkapseln u. a. m.
Als Armeelieferantin hat die Firma F. Brauns Söhne, k.u.k. priv. Fabrik von Gußstahl, Feilen und Armeebedürfnissen in Schloß Schöndorf bei Vöcklabruck, Oberösterreich, eine hübsche Zusammenstellung von Fabrikaten ausgestellt. Das Unternehmen wurde 1849 gegründet, befaßt sich zum großen Teil mit der Anfertigung von Qualitätsfabrikaten und liefert schon seit dem Jahre 1854 für die k.u.k. Heeresverwaltung sowie für die k.k. Staatsbahnwerkstätten, k.k. Salinen usw.
Es gelangten zur Ausstellung Fabrikate aus Elektrostahl, und zwar aller Gattungen Feilen, Werkzeuge, gewehrschußsichere Konstruktionen für Beobachtungsbau, Schutzschilde für Maschinengewehre, tragbare Schutzschilde, Sappenschilde, Gewehraufsteckschilde, Kavalleriesättel, aus Stahl gewalzte Schaufeln, Armeespaten und diverse Gegenstände, wie solche von der k.u.k. Heeresverwaltung benötigt und ihr seit Kriegsbeginn geliefert werden.
Die Metall- und Lederwarenfabrik Wolff, Baab & Co., Wien, XIV/1, Pretzsinggasse 20, hat u. a. interessanten Neuheiten Feldflaschenriemen von Zellfstoff ausgestellt, die einen vorzüglichen und billigen Ersatz für Lederriemen bieten und die in der k.u.k. Armee bereits Verwendung finden. Besonders wird auf den von der Firma ausgestellten versperrbaren Rucksackverschluß „Ernol“ aufmerksam gemacht, der seiner praktischen Konstruktion wegen jedem Soldaten und Touristen zur Anschaffung bestens empfohlen werden kann.
Die altrennomierte (Bemerkung: Schreibweise beibehalten) Firma Leopolder & Sohn, Wien und Leipzig, bringt in einer übersichtlichen Exposition Telegraphenapparate in der Ausführung vor dem Kriege und Apparate mit den durch die Verbrauchsverordnungen der Kriegszeit bedingten Ersatzmaterialien zur Schau. Das Objekt dieser Firma, die sämtliche Apparate und Apparatbestandteile für das Telegraphenbureau des k.u.k. Generalstabes liefert, wurde von dem Erzherzog mit besonderem Interesse besichtigt.
In der Gruppe Bekleidung, in der Oberlt. Prof. Havlicek von der 13. Abt. des k.u.k. Kriegsministeriums die Führung übernahm, fällt vor allem die besonders geschmackvolle Kollektivausstellung der Tuch-Baumwolle- und Leinen-Lieferungsgesellschaften für das k.u.k. Heer und der Tuchlieferungsgesellschaft für die k.k. Landwehr ins Auge.
Hier werden die vor dem Kriege und während desselben verwendeten Uniformen sowie Bekleidungs- und Ausrüstungssorten aus Baumwolle und Leinen in künstlerisch entworfenen lebenswahren Gruppen zur Darstellung gebracht und auch die verschiedenen Stadien der Erzeugung aller einschlägigen Stoffe vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkte in übersichtlicher Form dem Besucher gezeigt. Das Objekt erregte das besondere Interesse und Wohlgefallen des Erzherzogs.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte der Erzherzog den von der Lichtindustriegesellschaft, Wien, III., Fasangasse, ausgestellten Scheinwerfern allerneuester Konstruktion. Der Direktor der Gesellschaft, Herr Franz Rotter, durfte dem Erzherzog die verschiedenen Typen von Scheinwerfern zeigen und der Erzherzog interessierte sich in hohem Maße für diese Objekte.“
Endlich ist der kleine Franzi gemeinsam mit Onkel Rudi in der Kriegsausstellung und schaut sich die 25 Abteilungen an. Onkel Rudi kauft einen Ausstellungskatalog, damit der kleine Franzi später die abgebildeten Fotos und Zeichnungen ansehen kann. Die Abteilungen sind:
Trophäenhalle mit erbeuteten Waffen durch Österreich-Ungarn, Deutschland, der Türkei und Bulgarien Der kleine Franzi ist ganz begeistert von den erbeuteten Kriegstrophäen. Man schreibt: „In die Millionen geht die Zahl der Kriegsgefangenen, Hunderttausende von Handfeuerwaffen und Tausende von Geschützen sind die stummen aber eindrucksvollen Zeugen unserer Siege. Wie eine Mauer aus Eisen und Stahl starren uns die Trophäen unserer sieggekrönten Armeen entgegen, trotzdem in der Trophäenhalle nur ein kleiner Teil der unermesslichen Siegsbeute repräsentiert ist, aber die gewaltige Fülle spricht hier für sich, es bedarf keiner ruhmredigen Worte.“[8]
Artilleriewaffen und Munition Franzi wird von einem Standbild der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Artillerie, empfangen. Er sieht einen 30,5 cm M.11 Mörser, nachgebildet im Auftrag von Baron Skoda aus Holz. Die echten Waffen werden ja an der Front benötigt.
Pionier- und Sappeurwesen Ein Diorama stellt die Nacht vom 6. auf den 7. Oktober 1915 dar mit Überschiffung der Donau bei Zemun. Brückenbau, Zillenbau, Flammenwerfer, Scheinwerfer und andere Kriegsmittel werden gezeigt.
Militärgeographisches Institut Bilder, Fotos und Karten der verschiedenen Kriegsschauplätze sind zu sehen
K.u.k. stabiles Eisenbahn-Zeugsdepot Korneuburg Unter anderem sind ein russischer Pferdefeldbahnwagen und Telegrafen ausgestellt.
Kriegsfürsorge Hier werden Vertriebsgegenstände zur finanziellen Unterstützung der Soldaten ausgestellt und verkauft, beispielsweise dänische Ersatzstücke mit Papierfüllung für Decken.
Generalgouvernement Lublin Franzi sieht Karten, Bilder, Trachten und diverse Gegenstände von und aus Galizien.
Ausrüstung und Bekleidung Hier sieht Franzi die Entwicklung der k.u.k. Uniformen. Bunte Uniformen gab es bis 1907. Bis 1915 waren hechtgraue Uniformen gebräuchlich und ab 1915 feldgraue Uniformen. Dadurch waren die Soldaten dem Boden und dem grünen Gelände angepasst. Glänzende Gegenstände, wie Knöpfe, wurden durch matte Materialien ersetzt.
Land Niederösterreich mit Gewerbeförderung, landwirtschaftlichem Unterrichtswesen und Invalidenfürsorge Der Krieg hat Auswirkungen auf die Versorgung der Armee und der Zivilbevölkerung. In Musterwerkstätten werden etwa Sattlererzeugnisse, Metallwaren, Bekleidung, Uniformen etc. erzeugt. Es sind Modelle von landwirtschaftlichen Lehranstalten ausgestellt und Fotos von Kriegsinvaliden bei landwirtschaftlichen Arbeiten.
Marinesektion Sehr interessant für Franzi sind die Fotos und Bilder der Seeschlachten und der Schiffe. Er sieht das Modell eines U-Bootes und einen zerschossenen Kamin des Kreuzers „Helgoland“.
Sanität mit amtlicher und freiwilliger Sanitätspflege, orthopädischem Spital und Invalidenschulen sowie Sanitätsindustrie Die wesentlichste Aufgabe des Militärsanitätswesens erstreckt sich auf die Erhaltung und Förderung sowie die physische Wiederherstellung der Kriegstüchtigkeit des Soldaten.[9] Es werden Impfstoffe gegen Typhus, Cholera und Ruhr gezeigt, sowie Geräte und Gegenstände, die in einem Spital benötigt werden. Die Tätigkeit des Roten Kreuzes wird in einem Diorama gezeigt. Eine Prothesenfabrik zeigt die Herstellung künstlicher Gliedmaßen, in einer Invalidenschule lernen Verwundete mit den Prothesen umzugehen, um wieder in das Berufsleben eingegliedert zu werden.
Verpflegung, Verpflegsausrüstung, Bettenwesen und Konservenerzeugung Ausgestellt sind Küchen, Backöfen, Verpflegung von Pferden, Speisezettel der Kriegsgefangenen, Getränkefässer, Teigknetmaschinen, verschiedene Konserven und Felddampfwäschereien.
Veterinärwesen Die k.u.k. Tierärztliche Hochschule in Wien zeigt Bilder über die Rotzkrankheit, Rinderpest, Beschälseuche, Räude und andere Tierseuchen, Impfstoffe und Tierspitäler.
Trainzeugsdepot Es werden Fuhrwerke, Beschirrung der Pferde, Verpackungen, Seilerwaren, tierärztliche Requisiten u. a. gezeigt.
Elektro-Telegraph Der kleine Franzi bestaunt neuartige Telefon- und Telegrafenapparate.
Kriegsgewerbliche Erzeugnisse Sieben Unternehmen stellen Munition, Bajonette, Stacheldraht etc. aus.
Kriegsgefangenenwesen Franzi ist ganz begeistert vom Diorama des Kriegsgefangenenlagers in Grödig bei Salzburg. Fotos zeigen Gefangenenlager in Sibirien und in Italien. Es sind zehn Gipsmasken der „interessantesten russischen Rassetypen“ ausgestellt. Die Schädelstudien wurden von Dr. Rudolf Pöch[10] durchgeführt. Bemerkung: heute (2024) sind diverse Gegenstände aus dem Nachlass von Pöch in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), dem Naturhistorischen Museum, im Wiener Phonogrammarchiv und Filmarchiv Austria zu finden.
Bauwesen Franzi betrachtet Fotos von neu erbauten Anlagen. Es wurde sehr viel gebaut, Kasernen, Munitionsfabriken, Fabriken für Flugzeuge, Werkstätten, Kriegsmaterial usw. Es wurden Barackenspitäler und Rekonvaleszenzheime für Verwundete gebaut, und natürlich auch Pferdespitäler. Straßen und Brücken sind für die schweren Geschütze nicht ausgelegt und müssen Instand gehalten werden.
Kriegsgräber Abteilung „Die Ausstellung von Arbeiten der Kriegsabteilung des k.u.k. Kriegsministeriums bezweckt, die Öffentlichkeit über die Art der Gräberfürsorge in den Kampfgebieten auf österreichisch-ungarischem Gebiet zu unterrichten. Vor allem haben die Angehörigen der braven und heldenmütigen Soldaten, die für die Befreiung des Heimatbodens, für die Sicherung des Reiches und für den unvergänglichen Ruhm der österreichisch-ungarischen Armee ihr Leben hingeopfert haben, ein Anrecht darauf, zu erfahren, wie die heilige Pflicht der Pietät erfüllt, wie die Dankbarkeit des Vaterlandes gegenüber den gefallenen Kriegern bei der endgültigen Beisetzung ihrer sterblichen Hülle Ausdruck gegeben wird.“[11]
Feldvikariat Hier werden leicht transportierbare Feldkapellen ausgestellt. Der Feldkapellentornister enthält alle Gegenstände zum Lesen einer Messe im Felde.
Kunst Hier werden Bilder, Berichte und Bücher über den Krieg gezeigt.
Kriegsliteratur wie oben
Photographie wie oben
Freistehende Objekte wie oben
Feldpost 2.215 Feldpostleute bearbeiten bis zu 6 Millionen Briefe am Tag (!), über acht Millionen Pakete im Jahr 1915, sowie den Geldverkehr.[12]
Ukrainische Legion Im August 1914 meldeten sich 27.682 Freiwillige zur Ukrainischen Legion. Karten der Kampflinien, Broschüren, Zeitschriften und Tabellen der Ukrainer sind zu sehen
Kraftfahrzeuge Der kleine Franzi steht vor dem ersten österreichischen Kraftwagen „Markus“ aus dem Jahr 1875, dem ersten Armee-Lastkraftwagen aus dem Jahr 1898, dem ersten Armee-Vierräderantriebszugwagen aus dem Jahr 1905. Weiters sieht er Motorschlitten und Fotos.
Flugzeuge Russische Flugzeuge, italienische Fliegerbomben und Fliegergewehre.
„Im Felde“ Franzi kann hier einen Schützengraben mit Minenwerfer, Maschinengewehren, Scheinwerfer und anderem Kriegsmaterial sehen. In einem anderen Teil der Kampfstellung gelangt man durch Karstschluchten an die Oberfläche. Hier werden die Verhältnisse im Karstgebirge verdeutlicht mit Unterkünften und einer Felsküche. Den feinen Damen wird von Herren geholfen, da die Verhältnisse beengt sind. Zur Unterhaltung des Publikums gibt es eine Bierausschank, Speisen aus einer Fahrküche und eine Gulaschkanone. In einem Unterstand hinter der Front ist eine Labestation mit einem Heurigen untergebracht. Franzi bekommt zur Feier des Tages ein Gulasch und ein Kracherl, Onkel Rudi trinkt ein Krügerl.
Tiroler Soldatenzeitung Die tägliche Abendausgabe der „Tiroler Soldatenzeitung“ wurde in einer Felddruckerei gedruckt und verkauft.
Es ist schon spät am Abend, Franzi ist sehr müde, aber ganz begeistert von diesem wunderschönen Tag, den er mit seinem Onkel Rudi verbringen durfte. Für den kleinen Franzi war der heutige Tag irrsinnig spannend. Zuerst die Watsch’n vom Bischof, das war mehr ein Streicheln über Kopf und Wange und dann die Kriegsausstellung. Krieg ist ja so schön, unsere Armee ist so stark, wir werden es den Feinden schon zeigen und siegreich sein.
Wenige Tage nach dem Besuch der Kriegsausstellung stehen zwei Offiziere vor der Wohnung. Sie klopfen an der Tür, Frau Mutter öffnet. Der kleine Franzi hört sie sagen, dass feindliche Granaten in die Stellung eingeschlagen haben und auch das Lazarett, obwohl etwas entfernt von der Front, getroffen wurde. Herr Vater, der Arzt, wurde beim Angriff getötet und auf einem Kriegerfriedhof beigesetzt. Alles was dem kleinen Franzi bleibt ist eine Fotografie von Herrn Vater gemeinsam mit Frau Mutter und ihm.
Im Mai und Juni 1918 fand im Prater eine Ersatzmittelausstellung statt.[13] Die Versorgungslage der Bevölkerung wurde immer schlechter, sie war an einer Kriegsausstellung nicht mehr interessiert. Es wurden Nahrungs-, Bekleidungs-, Tierfuttermittel-, usw. Ersatzprodukte gezeigt. Beispiele sind Zichorie als Kaffeeersatz, Papierbekleidung, Stopfen von Strümpfen, usw.
Im Park der Universität Wien gibt es ein Denkmal zum Gedenken an die gefallenen Ärzte im Weltkrieg. Es ist von der Ärzteschaft Österreichs gewidmet. Manchmal steht ein Ur-Urenkel des „Herrn Vater“ davor. Er selbst ist Arzt, genauso wie ein Teil seiner Ahnen. Er denkt an die Geschehnisse im Ersten Weltkrieg, an den Urgroßvater Franzi, der seinen Vater nur etwa zwölf Jahre lang kennen durfte. Am Denkmal ist „ANTIFA“ mit Farbe gesprüht zu erkennen, der QR-Code davor (nicht im Bild) ist mutwillig beschädigt. Er fragt sich: „Wusste mein Ahne, was ein Faschist ist oder war? Wissen meine Mitbürger heute, was ein Faschist ist oder war? Verallgemeinernd: haben wir aus unserer Geschichte etwas gelernt?“
Abbildung 6: Teilansicht der Artilleriehalle mit dem 30.5 cm-Mörser-Modell Quelle: Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916; mit einem Ausstellungsplan, zwei kleinen Planen und vielen Illustrationen; Herausgegeben vom Arbeits-Ausschuss; dritte Auflage, Wien 1916, Buchdruckerei „Industrie“, Wien VII , Seite 43 (Bild digital bearbeitet)
[3] siehe dazu auch https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Kriegsausstellung_1916_im_Wiener_Prater (8. Juli 2024
[4] Quelle: Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916; mit einem Ausstellungsplan, zwei kleinen Planen und vielen Illustrationen; Herausgegeben vom Arbeits-Ausschuss; dritte Auflage, Wien 1916, Buchdruckerei „Industrie“, Wien VII, Seite 6
[6] Quelle: Neue Freie Presse, Sonntag, 2. Juli 1916, Seite 18f. https://anno.onb.ac.at/cgi- content/anno?aid=nfp&datum=19160702&query=%22kriegsausstellung%22+%22prater%22&ref=anno-search&seite=18 (15. August 2023)
[7]Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916; mit einem Ausstellungsplan, zwei kleinen Planen und vielen Illustrationen; Herausgegeben vom Arbeits-Ausschuss; dritte Auflage, Wien 1916, Buchdruckerei „Industrie“, Wien VII , Anhang ohne Seitenangabe
[8] Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916, Seite 20
[9] Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916, Seite 99
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_P%C3%B6ch (9. Juli 2024)
[11] Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916, Seite 142
[12] Offizieller Katalog der Kriegsausstellung Wien 1916, Seite 181